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Hörbuch der Woche "Ich verliebe mich so leicht" von Hervé Le Tellier

Im November 2022 wurde der französische Autor Hervé Le Tellier mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Vielleicht haben Sie von seinem Bestsellerroman "Die Anomalie" gehört oder ihn gelesen.In seinem soeben veröffentlichten Hörbuch "Ich verliebe mich so leicht" spielt das Flugzeug wieder eine bedeutende Rolle, denn seine Hauptfigur reist damit nach Schottland, um seiner Liebe zu begegnen. Doch es läuft nicht alles so glatt, wie sich das der frisch Verliebter das so vorstellt.

Author: Kristina Dumas

Published at: 21-11-2022

B5 aktuell: Das Hörbuch der Woche | Bild: colourbox.com/#257659; Montage: BR

"In the Neith stammt aus dem gälischen für Mund des Neith, ein Monster spuckt in seinem Loch, aber unser Held, der dort am nächsten Tag landen wird, Flug BA 823, begibt sich keineswegs auf die Jagd nach ihm, er reist ins Herz der Highlands um eine Frau wiederzufinden, eine, wie das in Schottland zuweilen vorkommt, eine sehr blonde Frau, 20 Jahre jünger als er, womit ihr Porträt nicht einmal ansatzweise umrissen wäre." Zitat aus Hörbuch

So beschreibt Hervé Le Tellier im Vorwort von "Ich verliebe mich so leicht" kurz und knapp die Handlung: Ein Mann, um die 50 Jahre alt, reist seiner jüngeren Geliebten in ein abgelegenes schottisches Dorf hinterher.

Erzählt wird das in über zwei Stunden und 12 kurz gehaltenen und humorvollen Kapiteln aus der Perspektive eines Erzählers, der außerhalb des Geschehens steht und ironisch die Handlung des Parisers beobachtet. Jedes Kapitel wird in wenigen Sätzen zusammengefasst.

"Erstes Kapitel. Indem unser Held ein Opfer der Logistik ist. Deprimierende Aussichten. Misstrauen wir stets einer zugut vorbereiteten Reise, wie kein Sprichwort sagt. Unser Held hat alles geplant, außer die drei Stunden Verspätung beim Start. Ein neues Flugzeug wird benötigt und die Landung ist nunmehr für den frühen Abend vorgesehen. Pech am Flughafen, Glück in der Liebe?"

Zitat aus Hörbuch

Die Hauptfiguren sind namenlos und werden vom Erzähler schlicht "Held" und "Heldin" genannt. Hervé Le Tellier kommt rasch auf den Punkt: Die Reise von Paris nach Schottland wird für die Hauptfigur zur Enttäuschung, das Treffen mit der Angebeteten endet im Liebesaus.

Das macht den Charme des Hörbuchs aus: Hervé Le Tellier erzählt leichtfüßig, in knappen, kurzen Sätzen ohne große Dramatik eine Geschichte des Scheiterns.

Nichts geschieht in der schottischen Bilderbuchkulisse, wie es sich sein Held gewünscht hat. Immer wieder kollidieren Fantasie und Wirklichkeit, der Held ist frustriert.  Hervé Le Tellier beschreibt den Prozess einer Enttäuschung, dabei stellt er seine Figuren nicht bloß.

Immer geht es auch um existentielle Fragen: Wie begegnen wir unseren Sehnsüchten? Was macht Altern mit uns? Wie verändern uns Niederlagen?

"Aus dem Bullauge schaut unser Held auf die Landschaft. Die Schafe, immer wieder Schafe, sie werden kleiner… Er sitzt auf Platz 16a. Die Frau auf Platz 16b bemüht sich ein Gespräch in Gang zu bringen… sie ist Pariserin, Forscherin. Sie nennt ihm ihren Vornamen, er seinen. Sie erinnert ihn, dass sie beide im selben Flugzeug waren auf dem Hinweg, als sie stundelang fest saßen. Sie hatte ihn als sehr gestresst wahrgenommen. Sie fragt, ob sein Aufenthalt in Schottland angenehm war. Unser Held lügt sie nicht an. Er antwortet 'Das Wetter war gut.'"

Zitat aus Hörbuch

Uve Teschner liest den Text mit offenkundigem Vergnügen. Die feine Ironie des Textes hört man seiner Interpretation an. Seine Stimme ist präsent, sein Sprachduktus frisch und spritzig.

Das Hörbuch "Ich verliebe mich so schnell" von Hervé Le Tellier übersetzt von Romy und Jürgen Ritte, gelesen von Uve Teschner ist bei GOYalit erschienen.


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