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Hörbuch der Woche "All Those Streets I Must Find Cities For" von Bob Kaufman

Bob Kaufman hat den Begriff "Beatnik" geprägt, die Zeitschrift "Beatitude" mitgegründet, ein halbes Dutzend Gedichtbände veröffentlicht. In Frankreich wurde er schon in den 60er Jahren als "schwarzamerikanischer Rimbaud" entdeckt, in Deutschland erschienen Übersetzungen seiner Gedichte erst 2019 in einem Kleinverlag. Jetzt ist als Hommage an Bob Kaufman "All Those Streets I Must Find Cities For" erschienen – für Bernhard Jugel das "Hörbuch der Woche".

Von: Bernhard Jugel

Stand: 09.05.2022

B5 aktuell: Das Hörbuch der Woche | Bild: colourbox.com/#257659; Montage: BR

Eine lange verloren geglaubte Lesung von Bob Kaufman war vor 2 Jahren der Ausgangspunkt für ein Hörspiel, das Regisseur und Autor Andreas Ammer zusammen mit Musikern aus dem Notwist-Umfeld realisierte. "Thank Bob for Beatniks", vom Bayerischen Rundfunk produziert, wurde jetzt als internationale Produktion noch einmal neu herausgegeben – ohne den deutschen Text, ohne deutsche Sprecher, deutlich gestrafft, teilweise neu gemischt und mit einer Gedichtzeile Bob Kaufmans als neuem Titel: "All Those Streets I Must Find Cities For".

So klang Bob Kaufman - der seine Gedichte nicht nur bei Lesungen, sondern oft lauthals auf offener Straße vortrug, was ihm etliche Verhaftungen und eine Akte beim FBI einbrachte. Geboren wurde er 1925 in New Orleans als zehntes Kind eines deutschen Juden und einer Schwarzen aus Martinique. Kaufman war zunächst bei der Marine und studierte später in New York, wo er William Burroughs und Allen Ginsberg traf. Kaufman war Mitgründer der Zeitschrift "Beatitude" und laut Allen Ginsberg der erste, der den Begriff "Beatnik" verwendete - und der sich später in einem Gedicht über Hollywood über die Vereinnahmung des Beatnik-Phänomens durch die Filmindustrie beklagte.

"Plastik Beatniks" – diesen Begriff aus einem Gedicht Bob Kaufmans haben Hörspielmacher Andreas Ammer, die Notwist-Gründer Markus und Micha Acher und Loop-Spezialist Leo Hopfinger quasi als Bandnamen adaptiert – und haben als Gäste und Textinterpreten noch Jazzerin Angel Bat Davis, Rapperin Moor Mother und die Dichterin und Rock-Ikone Patti Smith gewonnen.

"12 Songs for Bob Kaufman" haben die Plastik Beatniks ihre beim Notwist-Label Alien Transistor erschienene Hommage an den farbige Beatpoeten genannt. Wobei das mit den Songs so eine Sache ist. Die musikalischen Strukturen sind tatsächlich songorientiert, gesungen wird hier aber nicht, stattdessen deklamiert, rezitiert, gerappt, geraunt und alte und neue Aufnahmen so geschickt collagiert, dass aus alldem tatsächlich so etwas wie  Pop entsteht – populäre Hörspielkunst, die einen der interessantesten amerikanischen Poeten wieder ins Licht der Öffentlichkeit rückt.   

Wer zu den "12 Songs for Bob Kaufman" auch noch das zugrundeliegende Hörspiel mit Gedichtübertragungen ins Deutsche hören will: "Thank Bob For Beatniks" finden sie im Hörspielpool des Bayerischen Rundfunk als Stream und zum Herunterladen.  


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