BR24 - Das interkulturelle Magazin


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Film und Erinnerung Grenzenlose Vielfalt

32. Türkische Filmtage München // Diskussionsreihe "Zukunft der Erinnerung" // Dante-Jahr //

Stand: 15.04.2021 15:12 Uhr

32. Türkische Filmtage München

Szene aus "Wenn die Seele friert" | Bild: Umut Kaya

Jedes der Geschwister im Film "Wenn die Seele friert" definiert sich anders, sieht seinen Platz in der Gesellschaft anders. n

Von der Suche nach der eigenen Identität zwischen zwei Kulturen - der deutschen und der türkischen - erzählt Stella Sema Yesiltac in ihrem Dokumentarfilm "Wenn die Seele friert". Zu Wort kommt darin die ganze Familie: ihre vier Geschwister, Altug, Ayke, Tolga und Viola, ihre deutsche Mutter und ihr türkischer Vater.

Erstaunlich unterschiedlich sind die Perspektiven, die jeder auf sich und die anderen Familienmitglieder hat, auf die deutsche Umgebung, auf die Türkei, auf die unterschiedlichen Erziehungsmethoden der Eltern. Jedes der Geschwister definiert und verortet sich ein wenig anders, macht sich Gedanken über die eigene Herkunft, während sich die Eltern kaum gefragt haben, ob und warum ihre Kinder ein Identitätsproblem haben könnten. "Wenn die Seele friert" ist ein einfühlsamer, nachdenklicher und intelligenter Film über das Lebensgefühl einer Familie mit Einwanderungsgeschichte.

Die Regisseurin Stella Yesiltac im Gespräch mit ihrem Bruder. Eine Szene aus dem Dokumentarfilm "Wenn die Seele friert".

"Wenn die Seele friert" ist im Rahmen der 32. Türkischen Filmtage München zu sehen. Das Festival findet dieses Jahr online statt und bietet ein vielfältiges Programm mit Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen.

Die 32. Türkischen Filmtage laufen noch bis zum 2. Mai 2021.

Diskussionsreihe "Zukunft der Erinnerung"

Vor einer Woche sprach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einer Gedenkveranstaltung zum 76. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald.

"Die Würde der Opfer verlangt, dass wir sie nicht vergessen. Man kann immer nach Buchenwald kommen, ohne die Geschichte erschöpfend zu kennen. Nicht die Geschichte der Opfer, aber auch nicht die der Täter, Mittäter, der Profiteure. All das ist unsere Geschichte. Die Geschichte unseres Landes, wir wollen sie nicht vergessen."

Frank-Walter Steinmeier

Mit jedem Jahr wird eine Frage dringender: Wie erinnern? Wie gedenken? Wie wird man der Geschichte gerecht? Denn die letzten Überlebenden des Holocausts sterben aus und mit ihnen die Menschen, die dem Grauen ein Gesicht gegeben haben.

Die dreiteilige Diskussionsreihe "Zukunft der Erinnerung" versucht darauf Antworten zu finden, aus deutscher, jüdischer und israelischer Perspektive. Zum Auftakt, am 22. April, wird unter anderem der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Professor Jens-Christian Wagner zusammen mit anderen namhaften Akteuren diskutieren. Zu sehen ist die Debatte ab 19:00 Uhr per Livestream auf dem Online-Kanal vom Haus der Geschichte in Bonn, unter: www.hdg.de

Zwei weitere Diskussionen sind am 19. Mai und am 9. Juni 2021 geplant.

Dantes "Göttliche Komödie" als Hörspiel

Vor 700 Jahren starb der italienische Dichter Dante Alighieri, der Verfasser der "Göttlichen Komödie". Das mittelalterliche Werk ist bis heute eines der bedeutendsten der Weltliteratur. Es beschreibt die Reise von Dante durch Hölle, Fegefeuer und Paradies. Eine Besonderheit ist nicht nur, dass Dante die Dichtung ganz in Terzetten geschrieben hat, sondern auch auf Toskanisch statt auf Latein. Damit hat er den Grundstein für die moderne italienische Sprache gelegt. Zum Auftakt des Dante-Jahres hat die italienische Regierung in Kooperation mit diversen Kulturträgern große Teile des Werkes in 33 Sprachen als Hörspiel aufnehmen lassen, auch auf Deutsch.


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