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Andreas Modery erklärt Raureif – das Kristallkleid der Natur

Klar und eiskalt – so ist die Luft an kalten Wintertagen. Man hat den Eindruck, dass sich die Natur zum Winterschläfchen zurückgezogen und ein weißes Kleid übergestreift hat. Doch wie kommt es zu diesem „Outfit“?

Von: Andreas Modery

Stand: 31.12.2020

Raureif in der Natur | Bild: Andreas Modery

Mutter Naturs Schmuckgeschäft

Es ist der Raureif, der die Natur so faszinierend verwandelt hat. Grashalme, Äste und die verbliebenen Blätter glitzern und blinken in der Sonne , als seien sie mit kleinsten Diamanten versehen worden. Für Raureif braucht es zwei Dinge: Hohe Luftfeuchtigkeit und absolut „Durchgefrorenes“. Somit bildet sich der Raureif ausschließlich im Winter. Eine weitere Bedingung kommt hinzu: Es sollte eine wolkenlose, eiskalte Nacht sein. Denn in wolkenreichen Nächten bilden die Wolken eine Art Wintermantel, der die Natur weniger auskühlen lässt. Der Reif entsteht, wenn feuchte Luft auf Eiskaltes trifft – egal ob Grashalm, Äste oder Beeren. Dann beginnt der Wasserdampf an der Oberfläche zu gefrieren und verwandelt sich in schneeartige Eiskristalle. Da unsere Luft mit enormer „Luftfeuchtigkeit“ ausgestattet ist, kann alles, was im Freien steht und wächst, mit Reif überzogen werden. Viele dieser Eiskristalle bilden zusammen eine Reifschicht, somit ist Reif das gefrorene Wasser der Luft.

Die Natur liebt und braucht den Winter  

Bäume und Sträucher sind regelrecht auf Frost und Minusgrade angewiesen. Die Pflanzen verharren im Winter nämlich in einem Zustand der Winterruhe, bei dem sie nur über geringe Abwehrkräfte verfügen. Bleiben die Temperaturen jedoch mild, haben Wespen, Mücken, Blattläuse und Co, Borkenkäfer, Mücken, aber auch Krankheitserreger gute Überlebensbedingungen. Die Natur braucht die Kälte, um auch Schädlinge in ihre Grenzen zu weisen. Nicht vergessen: Schnee und Eis können auch wärmen – jeder Inuit in seinem Iglu kann ein Lied davon singen! Auch unsere Pflanzen in Wald und Flur fühlen sich im Winter unter einer Schneedecke sehr wohl: Schließlich wärmt sie diese und schützt sie vor Erfrierungen, wenn eiskalter Wind ihnen ständig um die Rinde pfeift.

Eisspaziergang der Enten – und das barfuß

Enten watscheln barfuß mit ihren federlosen Füßen über den zugefrorenen Teich – und sie frieren nicht und bleiben auch nicht an der Eisdecke kleben. Der Grund ist, dass unsere Enten über eine Art „Wundernetz“ verfügen. Das funktioniert wie ein Wärmetauscher, sodass in den Arterien der Ente das warme Blut vom Herz hinab zu den Füßen strömt. In den Venen- kommt das kalte Blut von den Füßen. Jetzt kommt das Besondere: Da dieses Geflecht so dicht ist, so findet ein Wärmetausch statt. Das zu den Füßen fließende Blut wird abgekühlt, das Blut zum Herzen hin wird aufgewärmt. Somit kommt die Ente nie mit w armen Füßen aufs Eis, das Eis unter den Füßen kann nicht schmelzen und die Ernte friert nicht fest. So kann sie stundenlang auf dem Eis watscheln und die Füße bleiben immer gut durchblutet

Vögel tanken Sonne

Unsere Vögel haben im Winter einen besonderen Trick ihre Körpertemperatur zwischen 38 und 42 Grad aufrecht zu erhalten. Sie machen sich einfach zu einer Kugel, indem sie sich aufplustern. Tatsächlich können sie ihr Gefieder so stark aufplustern, dass sie aussehen wie eine Federkugel. Diese Form ist kein Zufall, schließlich ergibt eine  Kugel - im Verhältnis zum Körpervolumen - die geringste Oberfläche. Je kleiner die Fläche, desto weniger Wärme und Energie geht verloren.  Eine weitere Besonderheit: Vögel können „Sonne tanken“. Deshalb sitzen sie in den Kronen der laublosen Hecken und Bäume, um ja keinen Sonnenstrahl zu verpassen. Mit ihrem dunklen Gefieder können sie die Strahlen der Wintersonne aufnehmen, die sie erwärmen. In besonders kalten Nächten schalten die Vögel auf ein Sicherheitsprogramm um: Sie selbst fahren die Körpertemperatur herunter. Dadurch fallen sie in eine Art „Kältestarre“, die den Stoffwechsel und damit den Energieverbrauch erheblich reduziert.


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