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Passatwolken und Vulkane, Steilküste und Lavastrände Wandern auf der Kanaren-Insel La Palma

Schwarze Lavastrände, die in der Sonne glänzen, tiefe Schluchten, Steilküsten und dicke Passatwolken, die sich über die Vulkane legen, Weihnachtssterne so groß wie Bäume, Drachenbäume wie aus einer anderen Zeit, Märchenwälder mit kanarischen Pinien und unberührte Lorbeerwälder - die kanarische Insel „La Palma“ zählt zu Recht zu einer den schönsten Inseln der Welt und zum UNESCO Weltkulturerbe. Wer einmal in ihrem Bann ist, den lässt sie nicht mehr los.

Von: Annette Eckl

Stand: 09.11.2019

Passatwolken und Vulkane, Steilküste und Lavastrände
Von Annette Eckl
| Bild: BR; Annette Eckl

Das haben auch unsere Bayern 2 Rucksackradio-Hörer gespürt. Eine Woche lang haben sie zusammen mit dem Wanderführer Jorge Santos von der Alpinschule Innsbruck unvergessliche Touren auf La Palma unternommen.

Jorge ist eigentlich Schwabe, hat aber spanische Wurzeln. Seit über 25 Jahren ist er Wanderführer auf den Kanaren und La Palma mittlerweile seine Heimat geworden. Er zeigt uns seine Lieblingsplätze, die schnell auch zu unseren werden. Die erste Tour starten wir auf dem Roque de los Muchachos, dem höchsten Punkt der Insel auf 2426 Metern. Wir erwischen einen wirklich grandiosen Tag mit tollen Weitblicken bis zu den Nachbarinseln El Hierro, La Gomera und Teneriffa. Hier oben stehen die bedeutendsten Sternwarten der nördlichen Hemisphäre, da sich La Palma durch eine geringe „Lichtverschmutzung“ auszeichnet und für seinen einen unglaublichen klaren Sternenhimmel bekannt ist.

Fantastische Natternköpfe

Was uns aber besonders fasziniert, das sind die die wirklich unglaublichen Tiefblicke in das Herzstück der Insel. Am Roque del los Muchachos, am Dach der Insel, wandern wir auf einem Höhenweg direkt am Kraterrand der „Caldera de Taburiente“ entlang. Die Caldera ist Nationalpark und einer der größten Erosionskrater der Welt. Der Kraterkessel hat einen Durchmesser von 10 Kilometern und einen Umfang von 24 Kilometern. Von uns aus gesehen stürzen die Felswände fast 1500 Meter in die Tiefe. Dazwischen rauschen wilde Bäche und Wasserfälle. Angesicht dieser Dimensionen erscheint vieles plötzlich unwichtig. Jorge formuliert das alles sehr passend: „Man steht praktisch kurz vor dem Himmeltor: die Wolkendecke ist unter uns, die ganz Erde und wir fühlen uns null und nichtig. Es kann also durchaus helfen, hierher zu kommen, seinen Rucksack zu packen, in die Berge zu gehen und schon relativiert sich vieles, auch die Probleme, die man vielleicht vorher hatte."

La Cumbrecita - beeindruckender Wolkenfall

Auch bei unserer nächsten Wanderung auf der knapp 1300 Meter hohen "Cumbrecita“ gibt es wieder einen fanstatischen Einblick in die gigantische Größe der Caldera, und immer ist es auch eine Glückssache, hier freie Sicht zu haben, denn oft ist die Caldera wolkenverhangen. Manche Wandere haben schon viele Anläufe gebraucht, um einen freien Blick in den gewaltigen Kraterkessel zu erhaschen. Wir haben Glück! Der eineinhalbstündige Rundweg mit vielen Aussichtspunkten wie dem Mirador de las Chozas ist die perfekte kleine Tour für den großen Überblick. Faszinierend ist die Stille der Landschaft mit ihren unzähligen kanarischen Pinien und den imposanten Felswänden. „Der Mensch reduziert sich hier auf das, was er ist, ganz klein im großen Kosmos“, sagt Jorge.

28 Urwald im Norden - Lorbeerbäume und große Farnen

Auch das Zusammenspiel von blauem Himmel und dicken Passatwolken macht den Reiz der Insel aus. Wer weit genug oben ist, sieht auf den Wolkenteppich hinab, der sich wie Watte über das Land legt oder über die Berge fällt wie ein Wasserfall. In der Caldera können wir zuschauen, wie sich im Minutentakt immer mehr Wolken zu großen Wolkenbergen auftürmen, die vom Meer in den Krater hineinziehen. Dieses Naturschauspiel nutzen die kanarischen Pinien, die mit ihren langen Nadeln an die 1000 Liter Kondensationswasser pro Jahr auffangen. Da sie selbst nur 700 Liter benötigen, geben sie Rest an den Boden und Quellen ab.

Faszination San Antonio

Wolken und Winde - wer bei über 20 Grad vom Strand aus aufbricht, unterschätzt nicht selten die Wetterkapriolen ein paar hundert Meter weiter oben. Vor allem auf der sogenannten Vulkanroute, sie sich bis zum südlichsten Punkt der Insel zieht, bläst der Wind oft unerwartet heftig, Peter ist schon das zweite Mal hier und weiß, wie es schnell ungemütlich werden kann, wie auf dem Vulkan San Antonio: „Heute ist richtig schönes Wetter, damals hat eine Touristin angefangen zu weinen. Wir mussten unsere Brillen festhalten, das war wirklich dramatisch. Das Wetter wechselt extrem und die Böen sind sehr heftig und unerwartet!“ Auch uns erwischen ein paar Böen, doch die Sonne meint es gut mit uns, so können wir sogar über einen schmalen Kamm und scharfen Grat zum höchsten Punkt des Vulkan Teneguía aufsteigen. Hier sind wir auf den Spuren des bislang letzten Vulkanausbruchs auf La Palma unterwegs. Die Eruption war erst 1971, deshalb spüren wir die Wärme noch heute an einigen Stellen. Es fühlt sich wirklich besonders an, die noch warmen Steine als Überreste eines gigantischen Naturspektakels in die Hände zu nehmen. In dieser vulkanischen Kraterlandschaft fühlt es sich Jahrzehnte danach fast so an, als ob die Ausbrüche gestern gewesen wären. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Einen guten Einblick über die Gewalt und Entstehung von Vulkanen gibt es auch im Besucherzentrum in Fuencaliente, direkt am Vulkan San Antonio.

Die Vulkanlandschaft mit den zerklüfteten wilden Zacken erinnert fast ein wenig an eine Mondlandschaft, wären da nicht die einheimischen Pflanzen, die auf der rötlich bis schwarzbraunen Lava gedeihen. Dann steigen wir hinunter zum Leuchturm Faro de Fuencaliente und Salinen, in denen das Salz weiß wie Schnee in der Sonne glitzert. Der Leuchtturm ist einer der ältesten in ganz Europa. Die Salinen werden auch Salzgärten genannt – es sind Gärten zwischen dem Meer und dem Vulkan. Das Zusammenspiel zwischen dem weißen Salz, der schwarzen Lava und dem türkisfarbenen Meer ist beeindruckend schön und offenbart die spezielle Magie La Palmas, und so fällt der Abschied nach einer Woche Wandern auf dieser zauberhaften Kanaren-Insel nicht leicht.

Karte: Der Roque de los Muchachos

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Karte: Der Roque de los Muchachos


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