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Vom Plätschern und Plantschen Ein kleiner Brunnenspaziergang durch München

Über 700 Brunnen gibt es im Stadtgebiet von München. Ein paar von ihnen sind sogar weltberühmt. Aber alle haben sie ihre eigene Geschichte und sie plätschern auch in ihrer eigenen Brunnensprache.

Von: Monika Köstlin

Stand: 22.06.2022 | Archiv

Unbekümmert fließen und tropfen sie, speien, springen und spritzen, sind herrschaftlich, heroisch, augenschön, auch neckisch in ihrer Gestalt, dann wieder profan, dann wieder märchenhaft und dann wieder in all ihrer Kunst so unscheinbar, dass man einfach an ihnen vorbeigeht, ohne sie wahrzunehmen. So selbstverständlich gehören sie zum Stadtbild, die Münchner Brunnen.

Brunnen sind Kult. "La dolce vita" - Federico Fellinis Film über den römischen Jetset aus dem Jahr 1960 machte nicht nur Anita Ekberg und Marcello Mastroianni weltberühmt, sondern auch den Brunnen auf der Piazza Trevi mitten in Rom. Der Brunnen bildet das prachtvolle Endstück der "Aqua Vergine", einer bereits 19 v. Chr. erbauten römischen Wasserleitung. Der Wittelsbacher Brunnen am Münchner Lenbachplatz hat diese Grundidee aus Rom aufgegriffen. Er ist das Kopfstück der Münchner Trinkwasserversorgung, die Ende des 19. Jahrhunderts vom Mangfalltal nach München gebaut wurde, eine Hommage an diese technische Großleistung. Entwurf und Ausführung stammen von dem Bildhauer Adolf von Hildebrand. Über 25 Meter erstreckt sich das Brunnenbecken. Mit seiner halbrunden Form empfängt er die Spaziergänger, die vom Stachus her flanieren, sozusagen mit offenen Armen. In seiner Mitte: Der doppelschalige Brunnenkelch. In feinen Fäden ergießt sich das Wasser ins Brunnenbecken. Ein apartes Schauspiel besonders nachts, wenn der Brunnen beleuchtet ist.

"Der Name des Brunnens verrät es: Er ist zu Ehren des Hauses Wittelsbach errichtet worden. Der Sockel, der die beiden Schalen trägt, aus denen das Wasser quillt, zeigt demzufolge auch die Wappen der vier bayrischen Stämme des Wittelsbacher."

Christopher Weidner, Stadtführer München

Wittelsbacher Brunnen

Zwei kolossale Figuren begrenzen das Brunnenbecken zu den Seiten. Links reitet ein wahrer Herkules auf einem Pferd, bereit, einen riesigen Steinbrocken zu werfen. Rechts eine Amazone auf einem Stier.
Er verkörpert das Wilde des Wasserelements. Sie seine Zähmung durch die Wasserleitung. Sie schaut den Flaneuren entgegen, streckt ihnen die linke Hand hin, in der sie eine kleine Schale hält: Seht: Hier bringe ich euch das Wasser des Lebens.

Wenige der Münchner Brunnen präsentieren sich so prominent wie der Wittelsbacher Brunnen. Gleich in der Nähe gibt es ein anderes Prachtstück - aber etwas versteckter. Den "Nornenbrunnen" in der Grünanlage hinter dem Stammhaus der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern.

Nornenbrunnen um 1910

Ein großer Schalenbrunnen, aus Muschelkalk gebaut in ungewöhnlicher Form. Er ist quasi mit drei Ecken bestückt. Auf jeder dieser drei Ecken steht eine Frau, unterschiedlich gestaltet, weil unterschiedlich alt. Es gibt eine junge, eine mittelalte und eine ältere. Gebaut wurde er 1907 von Hubert Netzer, der sich zur Abwechslung mal nicht die griechische oder römische Mythologie als Vorbild genommen hat für seinen Brunnen, sondern die nordische Mythologie. Denn die drei Nornen, die hier abgebildet werden, das sind natürlich die drei Schicksalsgöttinnen der germanischen Mythologie, mit Namen Urd, Verdandi und Skuld. Übersetzt: die die wurde, die die wird, und die, die sein wird. Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.

"Es ist eine sehr symbolhafte Zeit, in dieser Zeit, als diese Brunnen gebaut wurden, da gehört auch der Wittelsbacher Brunnen am Lenbachplatz dazu, da hat man sich ganz stark an mythischen Themen orientiert. Es war eine Zeit in der die Menschen sich viel lieber mit Symbolen umgeben haben und auch an diese Kraft der Symbole viel deutlicher geglaubt haben. Eigentlich stand der Brunnen ursprünglich am Stachus, aus baulichen Gründen hat man da ein bisschen aufgeräumt, viele Brunnen, die dem Verkehr weichen mussten, hat man anders platziert, und da fiel eben auch dieser zum Opfer, man hat ihn hier her gebracht in eine für diesen monumentalen Brunnen eigentlich ungünstige Lage, denn er fällt kaum jemanden mehr auf."

Christopher Weidner, Stadtführer München

Karl Valentin-Brunnen

Zu einer regelrechten Brunnenlandschaft hat sich im 20. Jahrhundert der Viktualienmarkt entwickelt mit kleinen, feinen Motiv-Brunnen, die allesamt altbekannte bayerische Volkssänger und Volksschauspieler portraitieren: Den Weiß-Ferdl, die Liesl-Karlstadt, den Roider-Jackl, die Ida Schumacher, die Elise Aulinger - und natürlich - den Karl Valentin. Die langbeinige, dürre Gestalt im Gehrock erkennen die meisten auf Anhieb. Die Melone auf dem Kopf und den Schirm über den rechten Unterarm gehängt, steht er inmitten der Brunnenschale auf einem stilisierten Notenschlüssel. Das Schöne an den Viktualienmarktbrunnen: Ihr Wasser wird schon auch mal genutzt - aber natürlich längst nicht mehr so intensiv wie früher das Wasser der historischen Münchner Brunnen.

Fischbrunnen

Münchens ältester Brunnen ist der Fischbrunnen am Marienplatz. Bis ins 14. Jahrhundert geht seine Überlieferung zurück. Seit Generationen der beliebteste Treffpunkt der Münchner. Prägnant thront ein dicker fetter kugeliger Fisch auf der Brunnensäule und tut so, als könne er sogar in der Luft atmen! Dabei ist der bronzene Kugelfisch gar nicht der Namensgeber des Brunnens, er stammt nämlich aus der Nachkriegszeit des letzten Jahrhunderts, als der Fischbrunnen längst seinen ursprünglichen Zweck als Marktbrunnen verloren hatte. Ursprünglich haben dort die Isarfischer ihre Ware feilgeboten, indem sie Reußen in den Brunnen gehängt haben, damit ihre Ware am Leben blieb. Wer um das Brunnenbecken herum geht und das Relief studiert, erfährt noch mehr zur Geschichte des Brunnens.

"Der Fischbrunnen hat im Rahmen des Münchner Jahres eine ganz besondere Bedeutung, denn es gibt zwei altehrwürdige Rituale, die mit ihm in Verbindung stehen. Das eine ist der sogenannte 'Metzgersprung', darauf beziehen sich auch die drei Figuren, wenn man genau hinschaut, dann sieht man drei junge Männer, die seltsame Kopfbedeckungen haben und so mit Fellstücken bekleidet sind, mit Kuhschwänzen, das sind die Metzgerlehrlinge, die dort, um in den Stand des Gesellen erhoben zu werden, in diesen Brunnen hüpfen. Genauso bekleidet, und dann so eine Art Taufe erleben, in ein neues freies Leben, sie sind an keine Lehrlinge mehr sondern Gesellen und dadurch frei. Der Sprung in die Freiheit und gleichzeitig ins kalte Wasser."

Christopher Weidner, Stadtführer München

Das Brunnenbuberl am Karlstor

Regelrecht in den Brunnen springen und wieder heraus - das kann man heutzutag am besten beim großen Springbrunnen auf dem Münchner Stachus. Der herzigste aller Münchner Innenstadtbrunnen ist und bleibt aber das berühmte Brunnenbuberl. Ursprünglich 1892 von Matthias Gasteiger für eine Kunstausstellung im Münchner Glaspalast geschaffen, wurde er drei Jahre später in den Grünanlagen der Münchner Sonnenstraße aufgestellt. 1964 musste er dort dem Verkehr auf dem ehemals verkehrsreichsten Platz Deutschlands weichen und wurde eingelagert. Erst sieben Jahre später, als die Münchner Fußgängerzone eingerichtet wurde, hat man ihn wiederaufgestellt. Diesmal am Ende der Neuhauserstraße, an der Innenseite des Karlstors. Er ist bis heute ein gefragter Trinkwasserspender sommers wie winters. Denn der oftmals von Tauben "besessene" Faunskopf, der das Wasser auf das sich unwillig sträubende bronzene "Brunnenbuberl" herabspuckt, wird nie abgestellt. Heute stört sich niemand mehr dran, dass das Brunnenbuberl nackert ist. Bei seiner Entstehung aber war das ein Skandal. Sogar Prinzregent Luitpold protestierte öffentlich dagegen.


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