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Mit Axt und Säge Vom harten Leben der Holzknechte

Holzknechte führten ein karges Leben, ihre Arbeit war schlecht bezahlt – und es gab sie fast allerorten. Denn der Werkstoff, den sie mühsam und oft unter Lebensfahr gewannen, war einst die Basis zahlloser Alltags-Gegenstände und wichtigstes Brennmaterial.

Von: Ulrich Zwack

Stand: 01.05.2021 | Archiv

Ganz so lustig, wie der Wiener Militärkapellmeister Josef Franz Wagner im Jahr 1899 meinte, war das Leben der historischen Holzhackerbuam nicht. Da kam der Lilienfelder Zisterzienserabt Ambros Becziczka der Wirklichkeit gut 20 Jahre zuvor schon etwas näher. In seiner "Historischen und topographischen Darstellung von Lilienfeld und seiner Umgebung" schrieb er:

Holzfällerhütte, Holzknechtmuseum Ruhpolding

"Frei, wie der Nomade in der Steppe, hauset der Holzknecht in seiner Waldheimat. Er zieht, seine Säge am Rücken, sein Beil mit den Keilen über der Schulter, von Schlag zu Schlage. Eine Hütte aus unbehauenen Stämmen, mit Baumrinde gedeckt und an einer nahen Quelle aufgeschlagen, ist alles, was er braucht; seinen Unterhalt sichert ihm der Wald und seine flink geführte Axt.

An der grünen oder grün verbrämten grauen Joppe, an dem grünen breiträndigen Hute, stattlich mit dem Gamsbarte und dem schimmernden Schildhahngefieder geschmückt, an dem freien Blicke und zuweilen an dem Stutzbärtchen erkennt man den rüstigen Sohn des Waldes."

(Ambros Becziczka, Zisterzienserabt, Lilienfeld)

Holzknechte führten ein karges Leben

Sie waren raue Burschen, die unter der Woche im Wald in primitiven Rindenhütten hausten und sich tagein, tagaus von "Muas" ernährten, einem Brei aus Mehl, Wasser und Schmalz. Holzknechte führten ein karges Leben, und ihre Arbeit war schlecht bezahlt.

Bis in 20. Jahrhundert hinein war Holz einer der bedeutendsten Werkstoffe. Es diente als Grundmaterial für zahllose Gegenstände des Alltags und war nicht wegzudenken aus dem Transport- und dem Bauwesen. Und natürlich war Holz auch ein wichtiges - in vielen Regionen sogar das einzige - Brennmaterial.

Holz war ein vielseitiger und begehrter Rohstoff

Holzknecht aus dem steirischen Salzkammergut mit Beil, Säge und Hacke. (um 1880)

Die Holzknechte waren es, die mit ihrer Arbeit die Versorgung mit diesem begehrten Rohstoff sicherstellten. Sie fällten mit Äxten, Sägen und Spezialwerkzeugen die Bäume, richteten sie transportfertig zu und beförderten sie auf teils abenteuerlichen Wegen zu den Holzlagerstätten, von wo aus sie per Trift, Schlitten oder Fuhrwerken an den jeweiligen Bestimmungsort gebracht wurden.

Kurzum: Der Bedarf an Holz war gewaltig und damit auch der an Menschen, die ihn befriedigen mussten. Das gilt in unseren Breiten zum Beispiel auch für die Salinen im Berchtesgadener Land und im Chiemgau. Dazu Dr. Ingeborg Schmid, die Direktorin des Holzknechtmuseums Ruhpolding:

Dr. Ingeborg Schmid, Direktorin des Holzknechtmuseums Ruhpolding

"Der Chiemgau war a Industriegebiet. Des war verbunden mit dem Salz, war verbunden mit dem Eisen und sowohl zur Gewinnung des Salzes aus der Sole - durch das Erhitzen braucht man sehr viel Holz - als eben auch für die Eisengewinnung."

(Dr. Ingeborg Schmid, Direktorin des Holzknechtmuseums Ruhpolding)

Zur sozialen Absicherung wurde der "Vinzenzi-Verein" gegründet

All diese Tätigkeiten waren nicht nur schwer, sondern auch gefährlich. Immer wieder gab es Unfälle, und die Zahl von Invaliden und Hinterbliebenen war hoch. Um sie zu unterstützen, gründeten die Holzknechte in Ruhpolding zum Beispiel 1619 den "Vinzenzi-Verein" - ein frühes Beispiel für eine Art berufsständischer Sozialversicherung.


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