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Türmer, Pfeifer, Stadtmusikanten Musiker in den Städten Bayerns

Die "Bürger" des Mittelalters machten aus ihren Städten Burgen, umgeben von Mauern und Türmen. Auf dem höchsten Turm der Stadt saß zur allgemeinen Sicherheit der Türmer. Der Türmer war der oberste Musikmeister der Stadtpfeifer, also aller offiziellen Musiker der Stadt.

Von: Roland Biswurm

Stand: 13.12.2017 | Archiv

Landshuter Turmbläser | Bild: Stadt Landshut

Der Türmer zeigte die Horen an, die Stunden, die es geschlagen hatte, meldete Feuer und herannahende Feinde. Dazu nutzte er ein archaisches Instrumentarium: Tierhörner zuerst, später Trompeten oder Posaunen.

"Die Augsburger Stadtpfeifer waren vom 15. bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts eine der angesehensten Kapellen. Man kann von richtigen Stadtpfeifer-Dynastien wie den Hurlachern, den Drechsels, den Rauchs oder der Familie Ganß und Schubinger sprechen. Angehörige dieser Dynastien wechselten gern zu Hofkapellen in München, Neuburg, Stuttgart, Innsbruck, Oettingen, Ferrara, Salzburg, Mantua oder Florenz. Oder auch zu den Kapellen von Kaiser Maximilian I. oder Kaiser Karl V. Wichtige Auftritte der Augsburger Stadtpfeifer, von denen wir heute wissen, sind z. B. die Fuggerhochzeit in Weißenhorn 1538, die Trauerfeierlichkeiten Kaiser Ferdinands I. für Kaiser Karl V. 1559 oder der Auftritt am Neuburger Hof im Jahr 1578."

Barbara Neumeier, aus: 'Der Pommer – Bauweise, Kontext, Repertoire'

Die Stadtpfeifer spielten zu großen und kleinen Festen und vielen anderen Anlässen auf. Der Türmer und seine Gesellen waren Handwerker: Man kam als Lehrling zu einem Türmermeister und begleitete diesen bei seinem Dienst oder auf Reisen. Mit dieser handwerklichen Ausrichtung ging einher, dass die Türmer in der Regel das Musizierprivileg hatten: Kein Ton am Ort wurde erzeugt ohne die Abstimmung mit dem Türmer. Der Türmer hat musikalisch alles bieten müssen von der Taufe bis zur Musik bei der Beerdigung.

"Fahrende Musiker wurden in den Rechtsbüchern und Zunftordnungen des ausgehenden Mittelalters als 'Ehrlose' bezeichnet. Sie galten bis ins 20. Jahrhundert als 'magische, instrumentale Spielleute' und als 'zwielichtige Gestalten', während der zunftmäßig organisierte, angestellte Türmer, später auch Stadtpfeifer zunehmend hohes Ansehen genoss. Mitte des 15. Jahrhunderts findet man den Nachweis, dass in über 100 deutschen Städten professionelle Stadtpfeiferensembles beschäftigt gewesen sind. Das bedeutet, dass Hunderte von Musikern fest angestellt waren. Sie waren Teil des bürgerlichen Lebens, sogar Teil einer Zunft, und damit abgesichert."

Hans Wax, Bezirksheimatpfleger Oberpfalz

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts ging ohne den Türmer nichts in den bayerischen Städten. Als spätestens zur Mitte des Jahrhunderts die Stadtmauern niedergelegt wurden und die Städte sich der Neuzeit öffneten, wurden aus den städtisch besoldeten Spielleuten Musikkapellen mit höchst unterschiedlichem Repertoire. Es entstanden Stadtmusikvereine und bürgerliche Hobbymusikzirkel.

"Die Stadtpfeifer, die fahrenden Musikanten und die höfischen Musiker haben sicher zur Unterhaltung gespielt. Das 19. Jahrhundert bringt mit dem Vereinswesen, mit der Gründung von Chören, mit der Gründung von Musikgruppen eine ganz andere Qualität mit hinein: Aus dem Bürgerlichen heraus entsteht das und damit tritt die Bedeutung von Stadtpfeifern und Türmern in den Hintergrund. Dann kommt natürlich hinzu die Bedeutung der hier stationierten Militärs, also hat man hier einen bedeutenden Wandel in der Musik, den wir bis heute wahrnehmen können."

Gerhard Tausche, Stadtarchivar Landshut

Die professionelle musikalische Tradition mündete schließlich auch in die zahlreichen Stadt- oder Feuerwehrkapellen oder in die Opernorchester an städtischen Bühnen.


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