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Zwölfuhrläuten Stadtlauringen in Unterfranken

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die Glocken der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer so unbeschwert über die Marktgemeinde Stadtlauringen mit ihren prächtigen Fachwerkhäusern schallen können.

Von: Regina Fanderl

Stand: 12.08.2018 | Archiv

Vor 60 Jahren nämlich, am 1. August 1958, zog gegen 19 Uhr 15 ein furchtbarer Sturm auf. Er deckte zahlreiche Wohnhäuser ab und sogar der Kirchturm war betroffen. Sein echterscher Spitzhelm landete komplett auf der Straße. Wie durch ein Wunder wurden keine Menschen verletzt. Erst 1972 bekam der Kirchturm wieder seine Spitze zurück.

Alle möglichen Moden mitgemacht

Touristen, die sich in der Gemeinde auf die Spuren des Dichters Friedrich Rückert begeben, der hier seine Kindheit verbrachte, wissen von diesem Wunder nichts. Sie bewundern das historische Ensemble des Marktplatzes mit dem Rathaus von 1563. Und werfen auch einen Blick in die Pfarrkirche, die mit ihrem roten, weit herabgezogenen Dach der Dorfkirche aus dem Bilderbuch gleicht.
Freilich hat sie in mehr als 600 Jahren alle möglichen Moden mitgemacht. Nach den Stilrichtungen des Barock und der Neorenaissance entstand in den 70er Jahren durch einen Betonanbau ein nüchterner Einheitsraum, in dem die Gläubigen sich auf drei Seiten um eine Altarinsel versammeln. Dort befinden sich auch der Ambo als Ort der Verkündigung und der Priestersitz für die Leitung des Gottesdienstes. Die Ausstattungsstücke aus den beiden Vorgängerbauten wirken vielfach klein im Vergleich mit dem großem Raum.

Vier Glocken laden vom Turm mit dem ehemals sturmgeschädigten Spitzhelm zum Gebet in die St. Johanneskirche.

Unter dem Motto "Offen sein" stand auch der EU–Dorferneuerungspreis 2016, bei dem es Stadtlauringen als einziger bayerischer Teilnehmer unter die ersten acht schaffte.


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