BR Heimat


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Zwölfuhrläuten Gänheim in Unterfranken

Selbstbewusst steht sie da, die Laurentiuskirche. So als wollte sie sagen: schaut her! Mich kann so schnell nichts umwerfen. Mit meinem uralten breiten, Turm, von einer Schieferhaube samt Laterne gekrönt und unter meinem dreigiebeligen, modernen Kirchenschiff biete ich Schutz und Schirm für jeden, der das will.

Von: Regina Fanderl

Stand: 04.06.2017 | Archiv

Tatsächlich geht in Gänheim Altes mit Neuem eine glückliche Verbindung ein. Anfang der 70er Jahre wurde das alte Gotteshaus bis auf den Turm abgerissen und neu wieder aufgebaut. Rund 30 Jahre später war schon wieder eine komplette Sanierung des Betonbaus fällig – innen und außen. Dabei ist man sehr behutsam vorgegangen.

Putto mit zwei linken Füßen

Die barocken Altäre der alten Pfarrkirche entfalten im Licht, das durch die modernen, bebilderten Glasbetonfenster auf klare, weiße Wände trifft, eine ganz besondere Wirkung. Mittelpunkt des Altarraumes ist ein künstlerisch wertvolles Alabasterrelief, das sich ursprünglich in der Würzburger Domkrypta befand: unter einem von korinthischen Säulen getragenen Dach wird Jesus vom Kreuz gehoben und beweint.
Ein heiteres Relikt aus der Barockzeit verbirgt sich im oberen Bereich des linken Seitenaltars. Ein reizender Putto wurde vom Bildhauer mit zwei linken Füßen ausgestattet. Ob dem Bildhauer ein Versehen passierte oder er vielmehr ein ganz persönliches Andenken hinterlassen wollte, ist unbekannt.

Geläut mit alter und neuen Glocken

Von den vier Glocken der St. Laurentius-Kirche wurden drei zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Aber schon 1948, acht Tage vor der Währungsreform, goss Czudnochowsky in Erding wieder drei neue und alle miteinander schicken bis heute ihren Klang über das kleine fränkische Dorf im hügeligen Land des Werntals, das auf eine 1275 Jahr lange Geschichte zurückblicken kann.


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