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Zwölfuhrläuten Oberfladungen in Unterfranken

Drei Glocken tönen über die Wiesen und Wälder von Oberfladungen, das - gelegen im Landkreis Rhön-Grabfeld - unmittelbar an Thüringen grenzt und vor 20 Jahren noch Zonenrandgemeinde war. Strahlend weiß, an den Kanten in Ockergelb, thront das einschiffige Gotteshaus auf dem Kirchhügel.

Von: Barbara Markus

Stand: 22.03.2009 | Archiv

Stolz erzählt man sich unter den rund 300 Einwohnern, dass es bei seiner Einweihung 1708 sogar prächtiger war als damals die Stadtpfarrkirche im benachbarten Fladungen, der nördlichsten Stadt Bayerns.

Entbehrungsreiche Vergangenheit

Dabei war das Leben hier in der Rhön über Jahrhunderte karg und entbehrungsreich, und nie hätte sich die kleine Dorfgemeinde aus eigener Kraft ein Gotteshaus wie dieses erbauen können, wenn nicht ein frommer Stifter dafür die Mittel bereitgestellt hätte: Es war der 1640 in Oberfladungen geborene Thomas Höflich. Als Priester und Doktor der Theologie hatte er es in Würzburg zum Stadt- und Dompfarrer gebracht und war darüber hinaus als Kanoniker von Stift Haug zu Wohlstand gekommen. Wie es der Zufall wollte, war Höflich auch mit der Aufsicht über den Neubau der Stiftskirche betraut, dem ersten großen Barockbau in Franken.

Anlehnung an die Würzburger Stiftskirche

Vieles von dem, was ihr Schöpfer Antonio Petrini dabei im mehr als 100 Kilometer entfernten Würzburg verwirklichte, prägt in vereinfachter Form auch die Innenausstattung der Dorfkirche von Oberfladungen: Pilaster, Scheinbögen und Simse gliedern die strahlend weißen Wände. Elegant in Schwarz-blau und die Konturen mit Gold betont, heben sich davon Altäre und Kanzel ab. Nicht ein Bild, sondern eine geschnitzte Pietà steht im Zentrum der Anbetung am Hochaltar, der mit 12 Metern Höhe für eine Dorfkirche monumentale Ausmaße hat. Geweiht ist die Kirche ebenso wie der linke Seitenaltar dem Heiligen Josef.


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