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Zwölfuhrläuten Rain am Lech in Schwaben

Man kann sie durchaus kapriziös nennen, denn St. Johannes ging immer mit der Mode. Im Lauf ihrer langen Geschichte wechselte die Pfarrkirche immer wieder ihre Innenausstattung entsprechend dem jeweiligen Zeitgeist.

Von: Susanne Zimmer

Stand: 16.10.2016 | Archiv

Das Ergebnis: eine bunte Mischung religiöser Kunstschätze aus Gotik und Barock, Historismus und Moderne. Und der Beweis, dass den Rainern für ihre Kirche das Beste gerade gut genug war.

Kirchturm auch strategisch bedeutend

Über ein ganzes Jahrhundert dürfte sich der Bau hingezogen haben. Der Schlussstein für das Netzrippengewölbe jedenfalls wurde 1480 gesetzt. Dass die Gemeinde den gesamten Kirchenbau aus eigenen Mitteln stemmte, spricht für die wirtschaftliche Hochblüte der Stadt im späten Mittelalter. Für den Bau des Kirchturms, 1538, waren sicher nicht nur religiöse Motive sondern auch handfeste militärische Überlegungen ausschlaggebend, denn von oben waren 78 Ortschaften zu sehen! Vieles hat St. Johannes schon erlebt. Explosionen und Blitzschlag, Krieg und Zerstörung, doch stolz steht sie heute mit ihrem bunten Outfit im Herzen der Stadt.

Orgel über dem Hauptaltar

Aus der Gotik stammen die freigelegten Wand- und Gewölbefresken. Die barocke Kunstepoche ist vertreten durch die Kommunionbank oder das Chorgestühl. Zur modernen Ausstattung gehören die bunten Glasfenster im Chor oder der erst 2003 entstandene Kreuzweg. Ungewöhnlich: die Orgel über dem Hauptaltar. Die neugotischen Altäre samt der Kanzel mussten weichen und gaben ihr den angestammten ursprünglichen Platz zurück.

Die Geschichte der mittlerweile fünf Glocken reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die beiden Weltkriege überlebte nur eine, die kleinste. Die größte und letzte des Quintetts hängt seit 1957 im Turm, die Erlöserglocke. Sie ist den Gefallenen gewidmet.


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