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Zwölfuhrläuten Autenried in Schwaben

Autenried, der malerisch im Tal eines der Günz Zuflüsse, der Kötz, gelegene 600 Einwohnerort im Landkreis Günzburg, gehört heute zur Stadt Ichenhausen. Neben schmucken, schwäbischen Bürger- und Bauernhäusern zeichnen ihn zwei architektonisch bedeutsame Bauwerke aus: Das stattliche Schloss mit dem Ikonenmuseum des Slawischen Instituts München und die mit ihrem Kunstreichtum überraschende Pfarrkirche.

Von: Georg Impler

Stand: 10.05.2015 | Archiv

Das Gotteshaus auf kreuzförmigem Grundriss erfreut den Besucher schon beim ersten Blick ins Langhaus mit unerwartetem Augenschmaus: Unerwartet in Fülle und Qualität.

Schwäbische Rokokokunst an der Decke

Die Künstler, die hier um die Mitte des 18. Jahrhunderts die 1708 begonnene, damalige Wallfahrtskirche zum wundertätigen Kreuz ausschmückten, waren aber auch von Rang und Namen: Die Deckengemälde im Chor und Langhaus etwa schuf Johann Anwander aus Lauingen, einer der bedeutendsten Freskanten des schwäbischen Rokoko. Der Stuck stammt zum Teil von Johann Michael Merkle aus der Wessobrunner Zunft, der Friedrich dem Großen als befähigt genug galt, an den Stuckierungen der Schlösser Sanssouci und Potsdam mitzuarbeiten.
Auch der Skulpturenschmuck der Altäre, an den Langhauswänden und der 1710 eingebauten Kanzel ist von Rang. Sogar den Kirchenbänken, besonders den auffallend schönen Gestühlwangen, hat man große Aufmerksamkeit geschenkt. Der Kunstschreiner hieß Johann Michael Bauer und kam aus dem 20 Kilometer entfernten Offingen im Donauried. Eine 1754 ausgestellte Rechnung hat ihn vor dem Vergessen bewahrt.

Aus dem markanten, von roten Ecklisenen und Gesimsen gegliederten Turm, der erst um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert errichtet wurde, läuten vier Glocken. Sie wurden zwischen 1891 und 1959 in Augsburg und Kempten gegossen.


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