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Zwölfuhrläuten Agawang in Schwaben

Seit rund 500 Jahren läutet eine Glocke im Kirchturm: "Maria hais ich, steffan wiggaw gos mich 1488". Nur wenige Jahre jünger ist eine zweite Glocke im vierstimmigen Geläut. Die Glocken sind älter als das heutige Gotteshaus, eine schmucke Landkirche des schwäbischen Barocks mit rundem Chor und Zwiebelhaube.

Von: Marianne Bitsch

Stand: 24.08.2002 | Archiv

Die Roth entspringt bei Agawang, einem Dorf mit 540 Einwohnern mitten im Naturpark Augsburg Westliche Wälder. "Im Wald, da sind die Räuber", heißt es im Volkslied; und in der Tat versteckte sich hier einmal der Räuber Mathias Kneissl.

Dorf 1202 urkundlich erwähnt

Die Landkirche von Agawang ist ein Kunstwerk des schwäbischen Barocks, mit rundem Chor und Zwiebelhaube. Die Glocken sind älter als das heutige Gotteshaus. 2002 konnte der Ort ein Jubiläum feiern: vor 800 Jahren, anno 1202, wird das Dorf erstmals urkundlich erwähnt. Der "Schlossbauernhof" erinnert noch an die Burg der "milites de Agenwanch", der Ritter von Agawang. Die Siedlung ist wohl einige Jahrhunderte älter. Darauf deutet auch das Kirchenpatrozinium: Der heilige Laurentius ist im Augsburger Raum ab 955 besonders beliebt, weil am Laurentiustag dieses Jahres die Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Ungarn gewonnen wurde.

Frischer Glanz

Im Jubiläumsjahr sind in der Kirche Maler und Restauratoren am Werk: Dachstuhl und Empore mussten statisch gesichert, morsche Balken verstärkt oder ausgewechselt werden. Figuren und Bilder erhalten eine Generalreinigung. Die Wände sollen frisch strahlen und der reiche Wessobrunner Stuck mit Gitterfeldern in Laub- und Bandelwerk wird wieder in den zarten Originalfarben der Barockzeit leuchten. Besonders hübsch ist die von Putten getragene Vorhangdraperie über dem Chorbogen, die den Blick auf das "Theatrum sacrum" des Chorraums öffnet: Hochaltar und Chorfresko zeigen den Hl. Laurentius auf dem Rost, auf dem er den Märtyrertod erlitt. Auf einem Deckenbild im Langhaus ist der zweite Kirchenpatron, der heilige Leonhard mit dem Vieh zu sehen. Das große Deckenfresko zeigt die Himmelfahrt Mariens: Rosen regnen aus den Wolken und verheißen den Duft des Paradieses.


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