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Zwölfuhrläuten Walting in der Oberpfalz

So kann‘s nicht weitergehen! Den Waltingern ist ihre Kapelle Anfang des vorigen Jahrhunderts viel zu eng geworden. Die Männer müssen beim Heiligen Messopfer schon in der Sakristei stehen. Und feucht ist‘s obendrein. Eine ordentliche Kirche muss her!

Von: Regina Fanderl

Stand: 15.01.2017 | Archiv

Gesagt - getan. Ab 1908 kümmert sich ein rühriger Kirchenbauverein um Spenden und Stiftungen und holt schließlich den Regensburger Architekten Heinrich Hauberrisser ins Boot. Von nun an geht‘s bergauf am Lindbühl oberhalb des kleinen Dorfes. Buchstäblich.

Kircheninneres wie behagliche altbairische Stube

Langhaus, Chor, Zwiebelturm – am 30. Mai 1913 schon stellen sich 22 Handwerker in Arbeitskluft und die fein gekleidete Bauleitung nebst Pfarrer, Lehrer und Bürgermeister fürs Erinnerungsfoto vor den Rohbau. Und der Eifer der Waltinger erlahmt nicht: schließlich muss auch was hinein in die Kirche: Orgel, Hochaltar, Kanzel, Beichtstuhl, Kreuzweg – was es halt so braucht.
Noch vor jeglicher Möblierung, im Oktober 1913, ist es dann soweit: Die Expositur der rund fünf Kilometer Luftlinie entfernten Mutterkirche St. Martin in Arnschwang wird benediziert und darf an Mariä Namen Kirchweih feiern, denn sie steht fortan unter dem Patronat der "Beata Maria Virgo", der seligen Jungfrau Maria. Ein Titel, der auf den Lobgesang Marias im Magnificat zurückgeht.
Gut 100 Jahre später zeigt sich die generalsanierte Kirche mit der hübschen Zwiebelhaube und dem leuchtend-roten Ziegeldach auch in ihrem Inneren wie eine behagliche altbairische Stube. In leuchtende Farben getaucht und voller berührender Frömmigkeit.

Oben am Turm hängen drei Glocken. Sowohl die alte von 1913 als auch die beiden neuen aus der Nachkriegszeit stammen aus der Gießerei Hahn in Landshut. Zuletzt mit neuen Motoren ausgestattet klingt ihr Geläut wie eine Einladung, die man nicht ausschlagen sollte!


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