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Zwölfuhrläuten Neukirchen-Balbini in der Oberpfalz

Dass der malerische kleine Markt mit gut elfhundert Einwohnern seinen ländlichen Charakter bewahrt hat, spürt jeder, der nach beharrlicher Fahrt durch Felder und Wälder, vorbei an Bachrainen und abgelegenen Bauernanwesen auf dem leicht abschüssigen Kirchplatz Halt macht.

Von: Georg Impler

Stand: 05.10.2014 | Archiv

Die Landschaft ist rau und romantisch in einem, schließlich befindet man sich am Übergang vom Oberpfälzer zum Bayerischen Wald.

Mehrmaliger Religionswechsel während der Glaubenskämpfe

Zugleich staunt der Betrachter, wie stattlich die alles beherrschende Neukirchner Pfarrkirche St. Michael dasteht, erfährt, dass sie bereits im Dezember 1138 erstmals erwähnt wurde und dass der klingende Beiname Balbini auf den hier um 1300 wirkenden Pfarrer Palwinus zurückgeht. Da wird der Ort im heutigen Landkreis Schwandorf bereits seinen Marktstatus gehabt haben. Jedenfalls war die  Ansiedlung obrigerseits offenbar recht begehrt, sonst hätte sie im Zeitalter der Glaubenskämpfe nicht binnen sechzig Jahren viermal ihre Religion wechseln müssen.

Barockkirche St. Michael

Die von einer starken Friedhofsmauer umgebene Michaelskirche hatte einen mittelalterlichen Vorläufer, wovon der gotische Turmunterbau zeugt. Ihre heutige Gestalt mit ihrem rosa und weiß gefassten Langhaus und dem barocken Zwiebelturm entstand um 1720. Im Zentrum des mit vier gedrehten Säulen geschmückten barocken Hochaltars steht der Kirchenpatron mit Kreuz und Schild auf dem überwundenen Drachen, links und rechts davon die qualitätvollen, fast lebensgroßen Barockplastiken der heiligen Katharina und Barbara.

Im Turmoktogon hängen sieben Bronzeglocken. Die fünf Glocken des Hauptgeläuts kamen nach dem Krieg in den Glockenstuhl, die sechste wurde 1779 in Amberg gegossen. Die kleine Sterbeglocke trägt die Jahreszahl 1601.


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