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Zwölfuhrläuten Weiden in der Oberpfalz

Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges wurde im oberpfälzischen Herzogtum Sulzbach das so genannte Simultaneum verfügt, d.h. Katholiken und Protestanten teilten sich Kirchen, Schulen und Spitäler.

Von: Ursula Naumann

Stand: 19.10.2003 | Archiv

Etwa 250 Jahre lang benutzten beide Konfessionen deshalb auch in Weiden die Michaelskirche in der Stadtmitte als gemeinsame Pfarrkirche, noch lange nach der Auflösung des Herzogtums, weil die Bevölkerung annähernd zu gleichen Teilen katholisch und protestantisch war.

Eigene Kirche

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließen sich dann viele katholische Arbeiter und Handwerker in Weiden nieder, die erste große Kirche für die katholische Gemeinde entstand. Ihr folgten weitere, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Zahl der Katholiken durch Flüchtlinge aus dem Osten noch einmal stark anwuchs. Die Kirche der neuen Pfarrei St. Johannes wurde im Jahr 1953 geweiht.

Aus Verlagsgebäude wurde eine Kirche

Sie hat eine kuriose Baugeschichte: Im Gewerbegebiet im Süden der Stadt war ein neues, zweistöckiges Zeitungs-Verlagsgebäude errichtet worden, das aber dann doch nicht gebraucht wurde. Die Kirche kaufte das fertige Gebäude und ließ es zu einem Gotteshaus umbauen. Das gelang dem Architekten erstaunlich gut, aber man sieht dem rechteckigen Bau natürlich von innen und außen schon noch an, dass er ursprünglich nicht zu einer Kirche bestimmt war.

Nach und nach kam der Schmuck

Zwar wurde durch die Entfernung der Stockwerksdecke und der Zwischenwände ein großer Raum geschaffen, aber der Kirchenführer spricht noch immer von den acht farbigen Glasfenstern "im Erdgeschoss" und den 24 Fenstern "im Obergeschoss". Das anfangs etwas kahle Innere wurde nach und nach mit Figuren geschmückt, zuletzt im Jahr 2001 mit den Doppelmedaillions der 14 Nothelfer.


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