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Zwölfuhrläuten Gleißenberg in der Oberpfalz

Der rund 900 Einwohner zählende, staatlich anerkannte Erholungsort Gleißenberg im Landkreis Cham, ganz im Osten der Oberpfalz, ist noch deutlich landwirtschaftlich ausgerichtet. Wegen seiner idyllischen Lage und seines für den oberen Bayerischen Wald verhältnismäßig milden Klimas bezeichnet er sich als "Bayerisches Meran".

Von: Georg Impler

Stand: 12.08.2012 | Archiv

Der Kirchturm von St. Bartholomäus ragt weitum grüßend aus dem sanften Talkessel und schickt seinen vierstimmigen Glockenklang über das in Fluren und Waldsäume eingebettete Dorf.

Wehrhafte Anlage

Als das ganz nahe der tschechischen Grenze gelegene Gleißenberg im Jahre 1434 bei einem der letzten Hussiten-Vorstöße niedergebrannt und völlig zerstört wurde, war vielleicht die Pfarrkirche die letzte Zuflucht der Dörfler. Die Wehrböschung des spätmittelalterlichen Friedhofs spricht davon und auch die Anlage der damaligen romanischen Chorturmkirche. Ihre Mauern waren so stark, dass sie heute noch unübersehbar an den inneren Langhauswänden vorspringen und so dem Besucher zeigen, wo die Erweiterungsbauten des 18. und 19. Jahrhunderts ansetzen.

Spuren des 13. Jahrhunderts

Das erst 1950 freigelegte ehemalige Hauptportal in der Südwand verweist mit seinem romanischen Tympanon auf die Mitte des 13. Jahrhunderts, weshalb man in Gleißenberg kürzlich auch die 750-Jahrfeier der Pfarrei beging. Auch der granitene Taufstein, der Glas geschützt vor dem Portaleingang steht, stammt aus dieser Zeit.
Das weiß gekalkte Kirchenschiff ist - für eine Landkirche - reich mit fast lebensgroßen Heiligenfiguren ausgestattet - anspruchsvoll gefasste Schnitzarbeiten aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert. Aus den zweiundzwanzig Skulpturen ragen vor allem die barocke Madonna im Rosenkranz am Chorbogen heraus, die Pieta an der linken Langhauswand und die drastische Darstellung des Bartholomäus-Martyriums.


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