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Zwölfuhrläuten Thurndorf in der Oberpfalz

Im Turm der katholischen Jakobuskirche von Thurndorf hängt eine Rarität – eine "Theophilusglocke". Um die 1.000 Jahre alt, gilt diese Bienenkorbglocke als eine der ältesten Glocken Bayerns.

Von: Annerose Zuber

Stand: 24.03.2013 | Archiv

Normalerweise erklingt das Glöckchen mit seinen 36 Zentimetern Durchmesser nur noch beim Tod von Pfarreiangehörigen.

Prunkstück bei Salier-Ausstellung

Diese sehr seltenen Theophilusglocken sind benannt nach dem Pseudonym des Benediktinermönchs Rogerus von Helmarshausen, der im 12. Jahrhundert ihre typische Form beschrieben hat. Die Thurndorfer Glocke erzielte 2011 Aufmerksamkeit, als sie bei der großen Salier-Schau in Speyer ausgestellt war. Den Bezug zwischen den Saliern und Thurndorf stellen die Grafen von Sulzbach her, denn das kleine Oberpfälzer Dorf war im 11. und 12. Jahrhundert wichtiger Verwaltungssitz der Sulzbacher Grafen, die unter anderem als enge Vertraute des Salier-Königs Heinrich V. die Geschichte mitbestimmten.

Romanische Burgkapelle erweitert

In Thurndorf erinnern die Überreste eines Turms neben der Kirche an die einst mächtige Burganlage der einflussreichen Adelsfamilie. Das alte Turmfundament soll nun in die geplante Friedhofserweiterung einbezogen werden. Aus der romanischen Burgkapelle entstand schließlich die Pfarrkirche, die Anfang des 19. Jahrhunderts erweitert wurde. Diese Baumaßnahme ist noch gut nachzuvollziehen, denn der Kirchturm, der zusätzlich zur Theophilusglocke das eigentliche Kirchengeläut mit drei Glocken beherbergt, steht nicht mehr mittig.

Jakobus löste Maria ab

Das Gotteshaus beeindruckt durch eine reiche Ausstattung mit zahlreichen Heiligenfiguren und Gemälden, allen voran aber mit dem mächtigen Barock-Altar von 1750, dessen Mitte der Kirchenpatron einnimmt. Die Geschichtsforschung zeigte, dass ursprünglich ein Marienpatrozinium bestand, das in der Reformationszeit aus theologischen Gründen auf Jakobus wechselte.


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