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Zwölfuhrläuten Schlagenhofen in Oberbayern

"Schlagenhofen - ein sehr abgelegener Ort zwischen Seefeld und Inning, doch etwas seitwerts"! So ist die Festschrift zum 775. Dorfjubiläum überschrieben, das in diesem Jahr begangen wird.

Von: Regina Fanderl

Stand: 01.11.2017 | Archiv

Nur rund 150 Bewohner hat dieser idyllische Ortsteil von Inning, aber das Wichtigste ist vorhanden: ländliche Anwesen, darunter noch zwei aktive Bauernhöfe, ein Wirtshaus, das wenigstens zeitweise offen hat, rundum Wiesen und Wälder und: eine feine, kleine Kirche mit Zwiebelturm. Caspar Feichtmayr, der Baumeister der Wessobrunner Schule, hat sie um 1680 wohl auf spätgotischem Fundament gebaut.

Umgeschnitzte Muttergottes

Patron ist der Erzengel Michael, dem der Besucher sowohl am Säulen-gerahmten Altar begegnet, als auch als gotische Holzfigur mit Seelenwaage an einer Seitenwand. Gleich daneben: die Muttergottes im Rosenkranz mit den fünf Wunden. Sie ist uralt, aber leider dilettantisch umgeschnitzt. In Schlagenhofen ist es deshalb üblich, an den Rosenkranz noch folgendes Gsatzl anzuhängen: "Die rechte Hand verwundt ist wor'n, linke Hand, rechter Fuß, linker Fuß, Herz verwundt ist wor'n."

Friedliches Völkchen

Noch heute liegt die Verwaltung der Kirche fest in der Hand der Schlagenhofener Dorfgemeinschaft und ist dank vieler ehrenamtlicher Helfer weitgehend unabhängig von der Pfarreiengemeinschaft Ammersee-Ost.
Die Schlaghofener sind überhaupt ein weitgehend friedliches Völkchen. Ihr Ortsname geht auf keine Art von Brutalität zurück. Die Historiker vermuten vielmehr einen Hofbesitzer in grauer Vorzeit, der Slago oder Slogo geheißen hat.

Die zwei alten Glocken der Kirche mussten während des 1. Weltkriegs abgegeben werden. Die aktuellen Glocken hängen seit 1922 im Turm und werden im etwas krummen Jubiläumsjahr mit besonderer Inbrunst geläutet.


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