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Zwölfuhrläuten Gilching in Oberbayern

In der Pfarrkirche St. Vitus in Gilching hängt neben der Turmpforte eine Glocke, die um 1170 gegossen wurde und mit ihrer Inschrift zeigt, wie schwer Spiegelschrift zu schreiben ist, besonders in das Innere eines Glockenmantels.

Von: Georg Impler

Stand: 14.06.2015 | Archiv

In romanischen Großbuchstaben steht auf Latein zu lesen: "Der Priester Arnoldus von Gilching ließ mich gießen". Für die letzten drei Worte reichte die Konzentration nicht mehr, das "me fundi fecit" ist nur mit einem Taschenspiegel zu entziffern.

Glocke als einzigartiges Zeitdokument

Die Glocke ist knapp 50 Zentimeter hoch, fiel an Fronleichnam 1923 auf das Kirchenpflaster und sprang in drei Teile. 1926 gab ihr das Glockenschweißwerk Lachenmeyer in Nördlingen ihre Zuckerhutgestalt zurück und rettete so ein einzigartiges Zeitdokument.
Seit 1952 prangt sie im Gilchinger Gemeindewappen.

Turmbrand im Zweiten Weltkrieg

Der Ort im oberbayerischen Landkreis Starnberg zählt um die siebzehneinhalbtausend Einwohner und ist schon seit 804 urkundlich nachweisbar.
Wesentlich jünger ist die katholische Pfarrkirche St. Vitus. Das heutige, dreischiffige Langhaus, das an einen um 1520 gebauten Chor anschließt, wurde zwischen 1836-1842 errichtet. Seine Innenausstattung mit der dezenten, warmtönigen Malerei an Kreuzgewölbe, Pfeilern und Empore und das strahlende Weiß der Außenfassade erhielt das Gotteshaus bei der Renovierung 1980.
Der Satteldach beschirmte Turm brannte – zwei Wochen nachdem Pfarrer Josef Hoch die Arnoldusglocke in Sicherheit gebracht hatte - beim Bombenangriff am 13. Juni 1944 aus.

So stammen denn auch die vier Glocken aus der Nachkriegszeit. Gegossen vom Bochumer Verein, kamen sie 1948 per Bahntransport nach Gilching. Die Arnoldusglocke dient auf ihre alten Tage als Sakristei- und Messglocke.


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