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Zwölfuhrläuten Dürnhausen in Oberbayern

Wer auf der A95 nach Süden fährt und sie bei Sindelsdorf verlässt, hat es Richtung Westen nur einen Katzensprung nach Dürnhausen, einem Ortsteil der Gemeinde Habach.

Von: Christian Jungwirth

Stand: 18.10.2020

Schon von weitem sticht der markant hohe spitze Kirchturm von St. Martin ins Auge, dem unbestrittenen Mittelpunkt des Ortes. Bereits eine Freisinger Bistumsbeschreibung aus dem 8. Jahrhundert erwähnt die Ansiedlung "Durfingeshausen". Stolz auf einem Erdhügel thront der Sakralbau über dem 250-Seelen-Dorf, eingeweiht im Jahr 1063 durch Bischof Bernhard von Velletri. Hinweise auf eine ältere Vorgängerkirche aus Holz gibt im Jahr 808 das "Cronicon Benedicto-Buranum".

Engel mit Arma Christi an Decke

Im Innern des schlichten Saalkirchenbaus haben regionale Künstler mit dem Element Stuck wahrlich nicht gespart, dennoch wird das Auge trotz der Reichhaltigkeit an Wänden und Decken subjektiv nicht erschlagen. Ein kunsthistorisch seltener Blickfang prangt an der Altardecke: acht Engelkörperprofile im Kreis. Sie halten, chronologisch gegen den Uhrzeigersinn, die Marterwerkzeuge Jesu – Arma Christi genannt - mahnend in Händen.
Zwei Seitenaltäre aus dem 18. Jahrhundert zeigen links die Heiligen Martin und Jakobus mit Maria und dem Kind dazwischen; rechts stehen die Heiligen Leonhard und Wolfgang, hier im Zentrum der Gekreuzigte.

Sage über zugemauerte Tür

Hinten im hell gehaltenen Langhaus gewährt ein kleines Südportal dem Besucher Zutritt. Bei Renovierungsarbeiten fand sich direkt gegenüber eine zugemauerte zweite Tür: der Sage nach gab es einst zwei adelige Brüder, die verfeindet waren und daher nicht über die gleiche Schwelle treten konnten.
Der gotisch gehaltene Turm wurde im Rahmen der Erstellung des Chorraums mit angebaut. Von der ebenerdigen Mini-Sakristei führt eine kleine steile Treppe in den Glockenturm. Zwei Glocken von 1836 verrichten hier ihren einladenden Dienst, den Dürnhausern das Stündlein zu schlagen und sie ins Hochamt einzuladen.


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