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Zwölfuhrläuten Bayrischzell in Oberbayern

1076 - vor mehr als 900 Jahren - hat Gräfin Haziga, die Gemahlin des Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach, in Bayrischzell eine Kapelle mit einer Klosterzelle gegründet. Im Spätbarock wurde daraus die heutige Pfarrkirche, ein stimmungsvoller Bau mit einem nadelspitzen, schindelgedeckten Turm vor der eindrucksvollen Kulisse des Wendelsteins.

Von: Michael Mannhardt

Stand: 04.11.2018 | Archiv

Bis 1835 war der Ort nach der Kirchenpatronin benannt und hieß Margarethenzell. Erst dann bekam er seinen heutigen Namen.

Margareth und der gezähmte Drache

Margaretha war eine frühchristliche Märtyrin, die zu den 14 Nothelfern gezählt wird. Dargestellt ist sie, flankiert von den beiden anderen heiligen Madln Katharina und Barbara, am Hochaltar des frühen 17. Jahrhunderts. Der Drache Margareths verkörpert das Böse, das sie mit Hilfe des Kreuzes besiegt. Als sie dem christlichen Glauben abschwören sollte, weigerte sich die Jungfrau aus Antiochien und endete unter dem Schwert. Aber vorher betete sie – wie die Legende erzählt – noch für alle Verfolger und für diejenigen, die später ihr Gedächtnis feiern würden.
Über dem freundlich stuckierten Hauptraum zeigt das Deckenfresko den Himmel der Seligen, wohin der Maler Melchior Puchner aus Ingolstadt Margareth mit dem gezähmten Drachen versetzt hat. Unten, auf der bayerischen Erde, lässt Gräfin Haziga das neue Kloster der Patronin Margareth und der Gottesmutter Maria weihen. Es wurde 1119 nach Scheyern verlegt.

Unverwechselbarer Klang der Glocken

Die vier Glocken sind gestimmt auf das Parsifal-Motiv. Während die beiden kleineren noch älteren Datums sind, kamen die beiden großen 1949 aus der Gießerei Benjamin Grüninger in Neu-Ulm. Ihr Klang verrät, dass sie aus einer zinnfreien Ersatzlegierung gegossen wurden. Durch den Kontrast mit den hellen Bronzeglocken und den ungewöhnlich dunkel wirkenden beiden größeren ergibt sich ein unverwechselbarer Klang.


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