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Zwölfuhrläuten Holzkirchen in Oberbayern

Wer von München aus Richtung Süden in die Berge fährt, der kommt fast zwangsläufig an Holzkirchen vorbei. Hier kreuzten sich schon in der Antike zwei Römerstraßen

Von: Dr. Jörg Haller

Stand: 15.03.2009 | Archiv

Im 19. Jahrhundert war es die Eisenbahn, die eine wichtige Voraussetzung für die Ortsentwicklung von Holzkirchen schaffte. Der S-Bahn-Anschluss nach München sorgte 1972 für einen weiteren rasanten Aufschwung der schon sehr alten Ansiedlung.

Frühchristliche Gründung

Die Christianisierung dieser Gegend erfolgte im 7. Jahrhundert, und auch das Patrozinium der alten Pfarrkirche St. Laurentius deutet auf eine frühchristliche Gründung von Holzkirchen. Die Siedlung mit ihrer "Kirche im Holz" war eine Rodungsinsel im damals so großflächig bewaldeten Voralpenland und gehörte vermutlich zum Schenkungsgut bei der Gründung von Kloster Tegernsee im Jahr 746.

Spektakulärer Neubau

Das barocke Gotteshaus am Marktplatz war längst zu klein geworden, als die Holzkirchner 1962 ihre neue Pfarrkirche St. Josef auf damals noch freiem Feld am Ortsrand errichteten. Der bedeutende Münchner Architekt Franz Ruf entwarf einen spektakulären Bau: Der siebeneckige Kirchenraum ist mit einer gewaltigen, frei tragenden Holzbalkenkonstruktion überspannt. Auf vier Pfeilern ruhen aufgefächerte, lange Sparren - wie starke Äste von ineinander wachsenden Bäumen. Sie stützen vier Firste und formen ein mächtiges Kreuz über dem Raum.

Ein Lebensbaum auf Glas

Unter dem 16 Meter hohen Scheitelpunkt ist der Altar als Mittelpunkt des liturgischen Geschehens platziert und dreiseitig von Bankreihen umgeben. Ihm gegenüber öffnet eine 160 Quadratmeter große Kunstglaswand von Karl Knappe das Gotteshaus. Sie schafft mit dem Motiv des Lebensbaums eine helle und farbige Verbindung von Innen und Außen.

Vier Glocken läuten im hohen achteckigen Turm, der einige Meter von der Kirche entfernt frei steht und die Großzügigkeit dieser beeindruckenden Kirchenarchitektur noch verstärkt.


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