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Zwölfuhrläuten Buch am Buchrain in Oberbayern

Buch liegt östlich von München im landschaftlich reizvollen Erdinger Land. Rund 1.500 Menschen leben in dieser eigenständigen Gemeinde, die mit Pastetten eine Verwaltungsgemeinschaft bildet.

Von: Dr. Jörg Haller

Stand: 20.12.2009 | Archiv

Buch am Buchrain ist eine sehr alte Siedlung. Schon 776 wird eine Kirche bei "Pohhe" genannt, die der Adelige Cotahelm dem Hochstift Freising vermacht. Eine weitere Urkunde von 808 berichtet von einer neu erbauten Kirche in Buch, die der Edle Isi an Bischof Atto übergibt. Dieser Schenkungsakt bedeutete die Gründung der großen Pfarrei und war 2008 Anlass für ein ereignisreiches Festjahr zum 1200-Jahr-Jubiläum.

Tradition der Landshuter Bauschule

In der Ortsmitte erhebt sich stolz die Pfarrkirche St. Martin. Der spätgotische Bau wurde um 1470 errichtet und steht in der Tradition der Landshuter Bauschule, denn Buch am Buchrain gehörte bis 1779 zu Niederbayern. Fällige Reparaturen drängten 1760 zu einem wesentlichen Umbau der Kirche. Der Turm mit dem vierstimmigen Geläut wurde zur Hälfte neu aufgerichtet und erhielt eine Zwiebelhaube. Chor und Kirchenschiff erhöhte man und holte für die Gestaltung hochrangige Künstler, welche die heute noch weitgehend einheitliche Ausstattung von St. Martin anfertigten.

Kleinod des Rokoko

Feingliedriger Stuck der Wessobrunner Schule rahmt die prächtigen Deckengemälde des Hofmalers Johann Martin Heigl ein. Drei aufwändig gearbeitete Altäre und die Kanzel sind mit ausdrucksvollen Schnitzwerken des berühmten Landshuter Meisters Christian Jorhan bestückt, der damit eine Kopie des Mater dolorosa-Gnadenbilds aus der Münchner Herzogspitalkirche in den Mittelpunkt des Hochaltars rückte.

Die Hoffnungen auf eine einträgliche Filialwallfahrt nach Buch am Buchrain erfüllten sich zwar nicht, aber es entstand ein wunderbares Kleinod der Kirchenkunst des Rokoko, das nach der derzeitigen Sanierung bald wieder im alten Glanz erstrahlen wird.


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