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Zwölfuhrläuten Schönbrunn am Lusen in Niederbayern

Schönbrunn, heute ein gut tausend Einwohner zählendes Dorf am unmittelbaren Rand des Nationalparks Bayerischer Wald, entstand ab 1599, als hier ein Hans Kürschner – "Hüttenmeister zum Schönprun" eine Glashütte einrichtete.

Von: Georg Impler

Stand: 07.06.2015 | Archiv

Erst über 330 Jahre später, im Juli 1938, - die Glashütte lag bereits seit einem halben Jahrhundert still - konnte eine Kirche geweiht werden. Da die Schönbrunner ihre weiten Fußwege nach Hohenau, Kreuzberg oder Mauth vermeiden wollten, gründeten sie um 1926 einen Kirchenbauverein und führten zwei Winter lang Berge von Bayerwaldgranit zusammen.

Rodungs- und Christianisierungsgeschichte des bayerischen Waldes erzählt

Die Mühsal lässt sich heute noch erahnen, denn Turm und Langhaus des vor 75 Jahren eingeweihten Gotteshauses hat man nicht verputzt und prägen mit ihrem Zyklopenmauerwerk das Ortsbild.
Im hellen Kirchenschiff mit der prächtigen Holzdecke und den hochrechteckigen Glasfenstern verweisen die an den Seitenwänden dargestellten Kirchenpatrone, St. Heinrich und Gunter, auf die Rodungs- und Christianisierungsgeschichte des bayerischen Waldes. Kaiser Heinrich II. hatte dem Kloster Niederaltaich Ländereien und Rodung bewilligt, der heilige Gunter das knapp vierzig Kilometer nordwestlich gelegenen Klosters Rinchnach gegründet. Öfters soll er von einem 1.002 Meter hohen Felsen gepredigt haben, dem Hausberg der Schönbrunner, der heute noch Kanzel heißt.
Der Chorschluss der Pfarrkirche zeigt überlebensgroß und beeindruckend farbstark die vier Evangelisten. Davor bildet eine Kreuzigungsgruppe mit spätbarockem Kruzifix das Zentrum des Altarraums.

Aus dem erst kürzlich renovierten und mit spitzer Kupferhaube bedachten Turm läuten fünf Glocken, die alle aus der Gießerei Perner in Passau stammen und 1949, 63 und 2012 gegossen wurden.


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