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Zwölfuhrläuten Eggenfelden – Kirchberg in Niederbayern

Ortschaften mit Namen Kirchberg gibt es im deutschsprachigen Raum zuhauf. Der Eggenfeldener Ortsteil Kirchberg unterscheidet sich jedoch von fast all seinen Namensvettern schlicht dadurch, dass die Einheimischen ihn auf der zweiten Silbe betonen.

Von: Wolfgang Aigner

Stand: 29.04.2018 | Archiv

Kirch-BERG also, obwohl die Kirche bestenfalls auf halber Höhe des recht steilen Ufers thront, das den Mertseebach nach Osten überragt. Trotzdem ist die Kirche St. Michael weithin sichtbar, in ihrem strahlendem Weiß. Ganz im Gegensatz zu den vielen anderen, backsteinernen, rötlich braunen Kirchenbauten im niederbayerischen Hügelland. Genau wie diese ist aber auch St. Michael in Kirchberg steinalt – im wahrsten Sinn des Wortes.

Gotischer Bau

Im Scheitel des Chors findet sich ihr Baujahr wieder: 1481 - die Zeit der Gotik. Im Lauf der Jahrhunderte wurde freilich vieles neu gestaltet und hinzugefügt. Die beiden großen, schön restaurierten Wandbilder im Innern etwa aus dem 17. Jahrhundert. Oder auch der Turm, der erst im 19. Jahrhundert entstand. An der Basis quadratisch, verjüngt er sich nach oben in einen oktogonalen Teil, den ein ebenfalls achteckiger Spitzhelm krönt.

Moderner Innenraum

2015 wurde der gesamte Innenraum von Sankt Michael grundlegend renoviert. Neue, bequeme Bänke, neue Farben, weiß die Wände, rostrot abgesetzt die Kreuzrippen, und vor allem ein neuer, zeitgenössischer Altar, der mit allem, was dazugehört, bis hin zu den Kerzenständern dem Rechteck als Grundform folgt und aus einem Guss gestaltet wurde – auch hier im Wortsinn, denn Bronze ist das Material, das der Eggenfeldener Bildhauer Josef Michael Neustifter dafür überwiegend verwendet und perfekt in das gotische Umfeld eingebettet hat. So entstand im Innern uralter Kirchenarchitektur ein modernes Gotteshaus, dessen Geläut weit hinaus schallt ins Rottaler Bauernland.


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