BR Heimat


14

Zwölfuhrläuten Sammarei in Niederbayern

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das barocke Langhaus mit dem von einer dreifach geschweiften Haube gezierten Turm wenig von anderen Dorfkirchen im romantischen Ortenburger Land.

Von: Georg Impler

Stand: 15.08.2010 | Archiv

Doch wer die Wallfahrtskirche Sammarei zum ersten Mal betritt - der Name kommt von einer umgangssprachlichen Wortbildung aus Sancta Maria - kann sich - sei er Wallfahrer oder Kunstfreund oder beides - eines gewissermaßen heiligen Staunens nicht erwehren.

Kleinod für Wallfahrer

Zu überrascht steht er vor der mit hundert Skulpturen prunkenden, Hochaltar und Seitenaltäre zusammenschließenden Ikonostase des Südtiroler Bildhauers Jakob Bendel. Und zu angerührt umschreitet er das mittelalterliche Kirchlein in der Kirche - die hölzerne, Schindel gedeckte Gnadenkapelle im Chor. Kunsthistorikern gilt sie als älteste Blockbaukirche Mitteleuropas.

Der "gschlamperte Engel"

Sie birgt das Gnadenbild "Maria mit dem Kind", von dessen Verehrung 1.300 Votivtafeln aus vier Jahrhunderten zeugen. Damit zählt Sammarei zu den bedeutendsten Marienwallfahrtsorten Bayerns und ist stolz auf die Beinamen "Bayerisches Assisi" und "Deutsches Loreto". Nur dem berühmten „gschlamperten Engel“, der sich am Altar über dem heiligen Martin versteckt, scheint das alles wenig zu imponieren: Er hat ungleiche Strümpfe an, trägt Maikäferflügel und zeigt - Gipfel der Frechheit - dem Pilgervolk den Vogel. Die Wallfahrt geht auf den Brand eines Bauernhofes im Jahr 1619 zurück, den die kleine Marienkapelle wie durch ein Wunder unbeschadet überstanden hat. Churfürstin Elisabeth, die Gemahlin Maximilians I. von Bayern, veranlasste daraufhin den Abt von Aldersbach die jetzige, frühbarocke Steinkirche über die Holzkapelle zu bauen. 1631 eingeweiht, gedieh sie zum - nach Altötting - größten Wallfahrtsort der Diözese Passau.

Feines Glockenspiel

Neben den halbstündlich wechselnden Melodien des Glockenspiels rufen vom Turm vier Bronzeglocken zum täglichen Wallfahrtsgottesdienst und besonders feierlich zum heutigen Patronatsfest Mariä Himmelfahrt.


14