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Zwölfuhrläuten Neustetten in Mittelfranken

Es ist ein trutziges Bauwerk, die Jakobs-Kirche in Neustetten aus dem 16. Jahrhundert. Der Name verrät es schon: St. Jakob war einmal eine Pilgerkirche an einem der vielen Wallfahrerwege, die auch durch die Umgebung von Ansbach nach Santiago de Compostela führten.

Von: Regina Fanderl

Stand: 21.07.2019 | Archiv

Das Dorf Neustetten, heute Ortsteil des Marktes Flachslanden, wurde erstmals 1169 als "Niwenstat" erwähnt. Also als neue Heimstatt, neue Siedlung, die, nun schwarz auf weiß bestätigt, 850 Jahre alt ist. 

Deutschordenskreuz – und Wappen am Hochaltar

Während rund die Hälfte der Anwesen zum Kloster Heilsbronn und später zu den Markgrafen in Ansbach gehörten, unterstand der andere Teil bis zu dessen Auflösung im Jahre 1806 dem Deutschen Orden. Das ist auch der Grund, warum in der evangelisch geprägten Umgebung ein großer Teil der Familien bis heute katholisch ist. An die Herrschaft der Chorherren erinnern das Deutschordenskreuz – und Wappen am Hochaltar, am Friedhofsportal und an der ehemaligen Zehntscheune, die früher als Schule benutzt wurde.

Verlorene Glocken wundersam wiedergefunden

Im gedrungenen Turm mit der barocken Haube hängen drei sehr alte Glocken. Sie sind im 14., 16. und 17. Jahrhundert in fränkischen Gießereien entstanden und wären längst verschwunden, hätte sich nicht nach dem 2. Weltkrieg eine "wunderliche" Geschichte ereignet.
Um Hitlers Rüstungsindustrie Futter zu liefern, wurde auch das Geläut von Neustetten zum Einschmelzen an eine als "Glockenfriedhof" bezeichnete Sammelstelle in Hamburg transportiert. Ein junger Neustettener war in der Elbstadt stationiert und wohnte bei einer Familie namens Wunderlich. Man blieb über den Krieg hinaus in Kontakt, und Wunderlichs kamen auf Besuch nach Franken. Als das Gespräch auf die verlorenen Glocken kam, wussten sie zu berichten, dass im Hamburger Glockenlager noch unversehrte Exemplare auch aus der Ansbacher Gegend lagerten. Und tatsächlich. Die Neustettener waren dabei und kamen zur großen Freude der Dorfbewohner zurück auf den Turm von St. Jakob, wo sie nun auch zum Jubiläum läuten können.


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