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Zwölfuhrläuten Neuendettelsau in Mittelfranken

Auf einer kleinen Hochebene zwischen Aurach und Fränkischer Rezat, etwa auf halbem Weg von Fürth nach Ansbach, liegt Neuendettelsau. Der Ort gilt als Zentrum der Diakonie in Bayern, der bedeutendsten, evangelischen Einrichtung im Dienst am Nächsten.

Von: Wolfgang Näßer

Stand: 06.10.2013 | Archiv

Der einst verschwindend kleine katholische Bevölkerungsanteil des erstmals 1298 erwähnten Ortes wuchs nach dem Zweiten Weltkrieg durch Heimatvertriebene deutlich an.

Angekommen in der neuen Heimat

Die ersten Messen hat man noch im Wohnhaus des Geistlichen und im Betsaal der Diakonie gefeiert. Ende der 1950er Jahre kam der Wunsch nach einer eigenen katholischen Kirche auf - auch als Zeichen des Angekommenseins in der neuen Heimat. 1962 konnte das Gotteshaus dem Heiligen Franz von Assisi geweiht werden.

Der moderne Kirchenbau mit quadratischem Grundriss wirkt trotz einer spannungsvollen Mischung aus Glas, Beton und einheimischem Naturstein recht schlicht. Kirche, Gemeindehaus und Pfarrhaus umschließen einen kleinen Platz, der die Ruhe und Besinnlichkeit eines Klosterhofs ausstrahlt.

Aktive und bewusste Ökumene

Inzwischen ist die katholische Gemeinde in Neuendettelsau zwar auf rund 1.800 Gläubige angewachsen, dennoch ist hier eine besondere Situation gegeben. Den weit über 100 evangelischen Geistlichen der Diakonie steht ein katholischer Priester gegenüber und man lebt eine aktive und ganz bewusste Ökumene. Schon 1962 zur Kirchenweihe hatte der evangelische Posaunenchor gespielt und auch heute noch begleiten die Musiker die Fronleichnamsprozession der Franziskusgemeinde.

Diese Verbundenheit ist auch beim vierstimmigen Geläut im frei stehenden Kirchturm von St. Franziskus zu hören. Es wurde auf die Glocken der beiden anderen Neuendettelsauer Kirchen abgestimmt. Eine der Bronzeglocken hat die evangelische Gemeinde gestiftet und trägt die Inschrift: "Dass alle eins seien".


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