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Landwirte bieten Blühwiesen-Patenschaften an Kritik an Pacht-Höhe

Nach dem Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ boten viele Landwirte Blühwiesen-Patenschaften an. Ob die Pacht mit 500 Euro pro 100 Quadratmetern angemessen ist, stellen Politiker in Frage.

Stand: 21.02.2019

Acker-Witwenblume mit Pinselkäfer Trichius fasciatus und kleinem Schmalbock Käfer Stenurella melanura | Bild: picture-alliance/dpa

Über ein Internetportal kann jeder Interessierte für einen relativ kleinen Betrag einen Landwirt dafür bezahlen, dass er nicht Mais oder Getreide angebaut, sondern eine Blühfläche für Bienen. Das Portal entwickelt hat der Landwirt Stefan Greif aus Oberfranken. Doch in ganz Bayern bieten Landwirte Blühwiesen-Patenschaften an. Ob der Preis gerechtfertigt ist, stellt zum Beispiel Toni Schuberl auf. Er ist Landtagsabgeordneter der Grünen in Passau und kritisiert einen Landwirt aus dem Kreis Passau, der die landwirtschaftliche Fläche für 50 Euro anbietet. In einem Offenen Brief kritisiert MdL Schuberl: "Das wären für einen Hektar sage und schreibe 5.000 Euro. Ich dachte bisher, dass man einen Hektar Ackerland für ungefähr ein Zehntel des Preises pachten kann." Dabei bezieht sich der Grünen-Abgeordnete auf Zahlen des Statistischen Landesamtes. Auch im Landkreis Straubing-Bogen gab's ein ähnliches Angebot. Kritik gab's daraufhin von Norbert Schäffer, Sprecher des Volksbegehrens: "Das Ganze privat zu machen, zehn Mal so teuer, wie das, was der Landwirt bekommen würde über das Kulturlandschaftsprogramm, das erscheint mir ein bisschen zu hoch." Der Straubinger Landwirte rechtfertigte den hohen Preis mit der Arbeit und dem Aufwand, den er allein vor dem Projekt habe.

Internetportal für Blühwiesen-Patenschaften

Seit mehreren Generationen lebt Familie Greif im oberfränkischen Pinzberg von der Landwirtschaft –Vater und Sohn führen den Betrieb. Sohn Stefan ist nicht nur Landwirt, sondern entwickelt auch Software für die Agrarwirtschaft. Er hatte eine Idee: Wenn schon so viele Menschen für Umwelt und Bienen unterschreiben, dann könnten die auch bei den Schutzmaßnahmen mithelfen. Verbraucher und Landwirtschaft zusammenbringen, das war die Idee.

Dafür hat der 25-Jährige vier Tage und Nächte zusammen mit drei Programmieren getüftelt – jetzt ist das Portal online. Landwirte können Ackerflächen anbieten und naturliebende Verbraucher Patenschaften für 100 Quadratmeter Blühfläche übernehmen. Stefan Greif ist erschöpft aber zufrieden:

"Zum einen haben wir für die Landwirte die Möglichkeit geschaffen, dass sie hier ihre Flächen hochladen können und das einfach unbürokratisch den Leuten zur Verfügung stellen können, zum anderen können die Verbraucher eben hier online direkt sehen wo meine Fläche ist."

Landwirt Stefan Greif

Fotos sollen dann die Blüherfolge dokumentieren. Der Acker wird vom Landwirt mit einem speziellen Saatenmix angesäht und gepflegt, keinesfalls gedüngt oder mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Mindestens zwei Jahre lang muss der Acker dann dem Projekt zur Verfügung stehen. Die Blühwiesen-Paten zahlen dafür 60 Euro im Jahr.

Reich wird Stefan Greif mit dem Portal nicht werden, er macht das aus Überzeugung, weil er der Meinung ist, dass die Landwirtschaft viel macht. Aber man müsse das den Bürgern offen darstellen und dafür sei die Plattform ein gutes Mittel.

Die Greifs meinen, wie übrigens viele ihrer Kollegen, es könnten nicht allein die Landwirte für den Umweltschutz verantwortlich sein. Da müssten alle mithelfen. Das frisch entwickelte Internetportal könnte da ein erster Schritt sein, dass sich alle zusammen für die Artenvielfalt verantwortlich fühlen – ganz ohne Fördermittel oder staatliche Hilfen.

Und wenn sein Portal gut angenommen wird, dann will der Landwirt und Software-Entwickler das Angebot deutschlandweit ausweiten – denn Artenschutz braucht es schließlich überall.


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