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Bayerische Bücherschau Franz Bumeders Lesetipps für Ostern 2017

Osterzeit, Ferienzeit, das heißt neben Ausflugszeit für viele Erholungssuchende auch Entspannung – und , ja, durchaus auch Lesezeit. Und da bietet der bayerische Büchermarkt so einiges. Franz Bumeder hat sich umgehört bzw. umgeschaut, - und einige ganz interessante Neuerscheinungen entdeckt.

Von: Franz Bumeder

Stand: 08.04.2017

Alle Bücher der Bayerischen Bücherschau April 2017 | Bild: Volk Verlag, Verlag Friedrich Pustet, Buch- und Kunstverlag Oberpfalz, SüdOst Verlag, edition lichtung, edition tingeltangel; Montage: BR

Alle besprochenen Titel zum schnellen Nachlesen:

  • Benkhardt Wolfgang (Hrsg.): Ausflüge in der Region Oberpfalz. Buch- und Kunstverlag Oberpfalz
  • Besenhard Gerhard: Wanderführer Regental. Buch- und Kunstverlag Oberpfalz
  • Panzer Marita A.: Barbara Blomberg Verlag Friedrich Pustet
  • Waltinger Michael: Niederbayerische Sagen. SüdOst Verlag
  • Seibert Hubertus (Hg.): Bayern und die Protestanten. Verlag Friedrich Pustet
  • Gößner Andreas: Evangelisch in München. Verlag Friedrich Pustet
  • Bleier Ulrike Anna: Schwimmerbecken. edition lichtung

Franz Bumeders Empfehlungen in Gänze

Ausflüge in der Region Oberpfalz.

Der Buch- und Kunstverlag Oberpfalz macht seinem Namen alle Ehre und beschäftigt sich, klar mit was sonst, mit der Oberpfalz.

"Der Weg durch das versteinerte Jurameer ist den meisten viel zu lang, um ihn an einem einzigen Tag zu gehen. Streckenlänge 20 Kilometer, Gehzeit 7 Stunden, gute Wanderausrüstung erforderlich, teilweise starke Steigungen, 30 Naturhöhlen, davon 7 nur mit Taschenlampe begehbar."

 Aus dem Wanderführer         

Benkhardt Wolfgang (Hrsg.): Ausflüge in der Region Oberpfalz. Buch- und Kunstverlag Oberpfalz

Gut dass der Wanderführer „Ausflüge in die Region – Oberpfalz“ eine familienfreundliche Abkürzung parat hat, um das versteinerte Jurameer und die Höhlen bei Hirschbach im Landkreis Amberg-Sulzbach genießen zu können. Allein die vielen Hochglanzbilder animieren zu Ausflügen in diesen touristisch oft vernachlässigten Regierungsbezirk. 28 Wanderungen zwischen Brennberg bei Regensburg und Brand ganz im Norden listet der Band auf, dazu einfache, aber übersichtliche Karten, Hinweise auf Sehenswürdigkeiten am Rand der Wege und – natürlich – Einkehrtipps. Ein handliches Buch für Oberpfalzentdecker, passt in jeden Rucksack!

Wanderführer Regental.

Nur einen kleinen, ja fast winzigen Teil der Oberpfalz behandelt eine weitere Neuerscheinung des Buch- und Kunstverlags. Um das Regental geht es, besser um einen kleinen Abschnitt dieses Bayerwald-Flusses. 12 Touren beschreibt der Wanderführer Regental, unterschiedlich lang, von zwei bis 15 Kilometer, alle zwischen Regenstauf und Nittenau. Auch wenn der Text manchmal etwas bemüht wirkt, das handliche Büchlein steckt voller Anregungen, vor allem für Familien mit Kindern. Beispiel: "Auf den Spuren der Riesen" heißt ein Kapitel über eine acht Kilometer lange Rundwanderung bei Karlstein nahe Regenstauf. Das Besondere an dieser Tour: riesige Granitfindlinge. Dazu kleine Geschichten, die Eltern sicher gern an ihre vielleicht schon müden Kinder weitergeben.

"Als die Erde noch nicht ganz ausgehärtet war, lebten in der Oberpfalz viele Riesen. Die sind auch dafür verantwortlich, dass es bei uns so hügelig ist. Einer davon sprang von hier nach Regensburg. Wer meint, es sei sein Fußabdruck, der irrt sich gewaltig. Es ist nur eine seiner großen Zehen."

aus dem Wanderführer

Bleibt zu hoffen, dass sich der Verlag noch weitere Flussabschnitte oder noch besser auch noch andere Oberpfälzer Gegenden vornimmt.

Barbara Blomberg

Panzer Marita A.: Barbara Blomberg Verlag Friedrich Pustet

Nur am Rande mit der Oberpfalz zu tun hat eine Neuerscheinung aus der Reihe „kleine bayerische biografien“ des Pustet-Verlags. Jeder Regensburger kennt die Bronzestatue von Don Juan d´Austria auf dem Regensburger Zieroldsplatz. Der Historikerin Marita A. Panzer geht es aber nicht um den berühmten Feldherrn, der in der Seeschlacht von Lepanto die türkische Flotte besiegt hat. Sie beschäftigt sich mit seiner Mutter, der Gürtlertochter Barbara Blomberg. Historisch fundiert und dennoch nie verkrampft, ein spannendes Stück Geschichte aus der frühen Neuzeit, dieses Porträt einer „Bürgerstochter, Kaisergeliebten und Heldenmutter“. Faszinierend zu lesen wie fast alle Bändchen aus dieser Reihe!

Niederbayerische Sagen.

Fährt man auf der Autobahn vom niederbayerischen Plattling ins nahe Deggendorf, kommt plötzlich auf der linken Seite ein in dieser Ebene ungewöhnlicher kleiner Hügel ins Blickfeld: der Natternberg! Wie der dort hingekommen ist, oder besser, was die Sage darüber weiß, ist nur ein Kapitel in der Neuauflage der "Niederbayerischen Sagen“ des vor 60 Jahren verstorbenen Deggendorfer Lehrers und Volksliedsammlers Michael Waltinger:

"Den Teufel ärgerte es schon lange - das Kloster Metten und er wollte die frommen Mönche vertilgen. Da trug er nun bei Nacht und Nebel einen riesigen Felsblock aus dem Gebirge. Er wollte ihn in die Donau werfen, damit dieselbe aus den Ufern trete und Metten überschwemme. Als er zum Wurfe ausholte, läutete man in Metten eben den Tag an. Dadurch erschrack der Teufel derart, dass ihm der Felsblock entglitt und am jenseitigen Ufer niederstürzte."

Niederbayerische Sagen                 

Und dort liegt er – der Sage nach – bis heute, bekannt eben als der „Natternberg“.

Über 300 meist recht kurze Sagen hat Waltinger bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts aus seiner niederbayerischen Heimat zusammen getragen, alles, was er erwischen konnte. Kein Buch zum von vorne bis hinten Durchlesen. Vielmehr ein Band zum Schmökern, Geschichten vor dem Einschlafen oder für zwischendurch. Empfehlenswert nicht nur für Niederbayern.

Bayern und die Protestanten.

Ganz Bayern im Blick hat ein Band, der sich – passend zum Lutherjahr – mit dem Thema „Bayern und die Protestanten“ beschäftigt. Eigentlich die Zusammenfassung einer wissenschaftlichen Tagung, dennoch auch für landesgeschichtlich interessierte Laien spannend und nicht allzu schwer zu lesen. Herausgeber Hubertus Seibert sieht sogar aktuelle Bezüge, wenn das Buch etwa zeigt,

Seibert Hubertus (Hg.): Bayern und die Protestanten. Verlag Friedrich Pustet

"wie diese verschiedenen Zuwanderungsbewegungen im 19. Jahrhundert dann auch die ganze Gesellschaft hier verändert haben. Es sind ja viele sogenannte Nordlichter, die im Dienste des Königs als Militärs, Beamte, Wissenschafter dann nach Bayern kommen. Und sie wirken ja sehr fruchtbar als Wissenschaftler, als Philosophen, als Juristen. Also ich finde, dass ist schon ein Zeichen , wie Integration schon im 19.Jahrhundert erfolgreich sein kann."

Hubertus Seibert                            

„Bayern und die Protestanten“ – eine Neuerscheinung aus dem Regensburger Pustet-Verlag. Aus demselben Haus liegt zum selben Thema ein weiteres Bändchen der „Kleinen Münchner Geschichten“ vor: Evangelisch in München. Dem evangelischen Kirchengeschichtler Andreas Gößner gelingt es, typisch für diese Reihe, 300 Jahre mit bedeutsamen Ereignissen erzählerisch, gelegentlich fast locker und immere unterhaltsam nahezubringen. Ein lebendiges Stück Geschichte im Taschenbuch!

Schwimmerbecken

Ob fiktiv oder auf eigenen Erfahrungen basierend, sei dahin gestellt. Der bemerkenswerte Roman „Schwimmerbecken“ von Ulrike Anna Bleier spielt in Niederbayern, könnte aber genauso irgendwo auf dem Land spielen. Die Ich-Erzählerin Luise schildert die dramatische Beziehung zu ihrem Bruder, immer nur „Bruderherz“ genannt:

"Zwischen halb neun und halb zehn bin ich jede Nacht unter seine Decke gekrochen, habe seinen Körper, der so alt, so warm und mir so vertraut ist wie mein eigener, gespürt und ihm zugehört, wenn er mir vorgelesen hat und wenn er sein Vorlesen unterbrochen hat, um mir etwas zu erklären, denn auch an mir war Bruderherz alles so vertraut, dass er sofort wusste, wenn ich etwas nicht verstanden hatte."

Ulrike Anna Bleier

Bleier Ulrike Anna: Schwimmerbecken. edition lichtung

Das Verhalten des jahrelang verschwundenen und plötzlich wieder aufgetauchten Bruders wird immer mysteriöser. Erst als „Bruderherz“ in die Psychiatrie eingeliefert wird, merkt Luise bei der Rückkehr in ihren niederbayerischen Heimatort, dass sie einem Familiengeheimnis auf der Spur ist. Ein Roman, den man trotz gelegentlich schwieriger Textstellen ganz schnell nicht mehr weglegen möchte.


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