BR Heimat


2

Alltagswissen Fragen rund um den Herbst

Wieso werden Blätter im Herbst welk? Warum heißt der Altweibersommer so? Warum wachsen am Waldboden Haare aus Eis? Fragen und Rätsel des Alltags rund um den Herbst, auf die sich eine Antwort findet - in unserem Alltagswissen.

Stand: 24.09.2019

Fragen des Alltags: "Altweibersommer", Frau genießt die Herbstsonne in der Liege | Bild: picture-alliance/dpa, Montage: BR

Was ist der Altweibersommer?

Milde Temperaturen

Wenn es im September und Oktober nochmal so richtig angenehm warm wird, dann ist er da: der schöne Altweibersommer. Aber warum heißt er eigentlich so? Ist älteren Damen die milde Herbstsonne so viel lieber als der heiße Sommer? Vielleicht. Aber mit Frauen hat der Altweibersommer dennoch nichts zu tun.

Elfenhaar

Das "weib" im Altweibersommer stammt vom althochdeutschen Verb "weiben", was so viel wie weben oder spinnen heißt. Und bezieht sich auf die vielen Spinnenfäden, die man zu dieser Zeit so oft im Gesicht spürt. Früher dachten die Menschen, dass diese Spinnenfäden Haare von Elfen oder Zwergen seien.

Schnelltransport

Es sind Flugfäden von frisch geschlüpften Jungspinnen. Millionen von ihnen hängen sich an sie an und segeln oft über hunderte Kilometer durch die Lüfte. Eine praktische Methode, um weite Strecken zu überwinden.

Wie wirft eine Pflanze ein welkes Blatt ab?

Verwelkte Blumenpracht

Jeder kennt es, kaum ist Geburtstag oder Valentinstag vorbei, welken schon die Blumensträuße, und die Blütenblätter segeln eines nach dem anderen auf den Tisch. Doch nicht nur Blütenblätter werden abgeworfen, sondern auch Herbstlaub oder Früchte. Wie steuert das die Pflanze?

Großer Spalt zwischen Stängel und Pflanze

Am Stiel eines Blattes oder der Unterkante eines Blüteblatts ist eine spezielle Zellschicht - ein Trenngewebe. Oben besteht das Gewebe aus Zellen mit schwachen Wänden, unten sind Zellen, die sich zum Beispiel im Herbst ausdehnen. Sie zerstören auf diese Weise die schwachen Wände der oberen Zellen, so entsteht eine saubere Spalte. Sobald die groß genug ist, kann die Pflanze das Blatt oder die Blütenblätter abwerfen. Im Herbst spielt wahrscheinlich auch der Rückgang des grünen Farbstoffs Chlorophyll eine wichtige Rolle für diesen Prozess.

Obst und Gemüse fallen genauso reibungslos

Auch Obst, zum Beispiel Äpfel oder Birnen, wird auf diese Weise von der Pflanze abgetrennt. Es gibt übrigens ein Pflanzenhormon, dass das Abtrennen verhindert. Gärtner verwenden es häufig, damit das Obst nicht zu früh vom Baum abfällt. Derselbe Mechanismus ist es auch, der beim Austrocknen von Blumen in einer Vase dazu führt, dass Blütenblätter abfallen, oder Blüten am Strauch verblühen.

Mechanismus auf molekularer Ebene

Forscher der Universität Missouri in den USA haben nun herausgefunden, wie dieser Abtrennungsprozess genau geregelt wird. Mithilfe von fluoreszierenden Eiweißen in den Blüten haben sie festgestellt, dass dabei zwei spezielle Gene eine große Rolle spielen, die sich gegenseitig verstärken. Je aktiver sie sind, desto schneller wird die Zellschicht am Fuß des Stängels getrennt. Das kann man dann auch sehen - je aktiver die Gene, desto stärker leuchteten dort die Eiweiße. Das ist auch für Landwirte und Blumenzüchter interessant. Denn könnte man diese Genaktivität regeln, wäre das eine weitere Möglichkeit, um zu verhindern, dass Äpfel zu früh abfallen oder der Strauß Blumen nach ein paar Tagen schon wieder alle Blütenblätter verloren hat.

Warum fallen im Herbst die Blätter von den Bäumen?

Was macht die Zuckerwatte im Wald?

Zuckerwatte, Wolle, Pilz?

Neulich beim Winterspaziergang im Wald:
Es ist kalt, gibt keinen Schnee - aber ein schneeweißes, wattebauschartiges Büschel am Boden. Das feine Gebilde erinnert an Zuckerwatte, Wolle oder einen Pilz. Was ist das?

Haareis

Ein zartes Kunstwerk aus Eis, das durch ein biophysikalisches Phänomen entsteht und Haareis genannt wird. Ein unscheinbarer Pilz ist aber dennoch eine wichtige Voraussetzung dafür, dass es überhaupt entstehen kann, erklären Experten der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Das Phänomen entsteht nur auf abgestorbenen, feuchten Ästen von Laubbäumen, die von den Pilzfäden der "Rosagetönten Gallertkruste" (Exidiopsis effuso) durchwachsen sind.

So bildet sich Haareis

Der Pilz ist winteraktiv und atmet. Wenn nach einer Regenphase die Lufttemperatur um den Gefrierpunkt liegt, drängen die Gase seines Stoffwechsels das leicht unterkühlte Wasser aus dem Totholz durch die Holzporen an die Oberfläche. Dort gefriert es zu Eis und wird - wie Zahnpasta aus der Tube - durch das nachdrängende, gefrierende Wasser weitergeschoben. Feine Härchen aus Eis entstehen.

Haare aus Eis

Sie sind mit etwa 0,02 Millimetern so dünn wie Menschenhaar und können in einer Stunde fünf bis zehn Millimeter wachsen. Über Nacht kann also leicht ein größeres, filigranes Eiskunstwerk entstehen. Mit den Eishaaren beschäftigte sich 1918 bereits der berühmte Polarforscher Alfred Wegener. Aber erst 2008 gelang es Forschern aus Bern und Jülich, ihr Geheimnis zu entschlüsseln.

Frostschutz und Heizung

Warum der Pilz die Haare aus Eis produziert, ist immer noch unklar. Vielleicht dient ihm der Vorgang als Frostschutzmittel und Heizung: Dann gefriert das Wasser nicht im Ast, sondern außerhalb seines Lebensraums. Und durch die Energie, die beim Gefrieren frei wird, wird der Ast etwas wärmer als seine Umgebung.

Wie schützt man sich bei einem Gewitter?

Am Besten: Schutz suchen!

Sommer ist Gewitterzeit ... und so ein Gewitter kommt oft blitzschnell. Wenn man das erste Donnern hören kann, ist ein Gewitter in der Regel nur noch zehn Kilometer entfernt, dann sollte man schnell Schutz zu suchen, sagt der VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik). Wenn nur noch zehn Sekunden zwischen Blitz und Donner vergehen, ist es höchste Eisenbahn. Jederzeit kann auch dort, wo man selbst steht, ein Blitz einschlagen. Am wichtigsten also: Schutz suchen, zum Beispiel in einem Gebäude. Denn so ein Blitzschlag kann tödlich ausgehen. Was aber, wenn man es nicht mehr nach drinnen schafft?

Keine Angriffsfläche bieten!

Regel zwei: Dem Blitz keine Angriffsfläche bieten. Der bekannteste Tipp für die freie Fläche: In die Hocke gehen, am besten in einer natürlichen Bodensenke. Also kauern, die Füße nah zusammen und die Arme über die Knie. Die Füße müssen deshalb eng zusammen sein, weil die Energie des Blitzes sich nach dem Einschlag in den Boden in alle Richtungen ausbreitet. Zwischen den Füßen entsteht dabei eine Spannung - je weiter die außeinander sind, desto größer ist sie. Deswegen soll man auch andere Leute im Gewitter nicht anfassen, oder an der Hand halten, dabei entsteht dieselbe Spannung. Experten empfehlen im Gewitter einen Abstand von fünf Metern zu anderen Menschen.

Hände weg von Metall!

Gewitter gehen meistens mit einem mehr oder weniger starken Regenschauer einher. Fix den Regenschirm rausnehmen? Lieber nicht! Denn das Metall kann gefährlich sein, wenn ein Blitz einschlägt. Es zieht entgegen landläufiger Meinung zwar nicht den Blitz an. Aber er kann, falls er doch zufällig einschlägt, das Metall so stark erhitzen, dass es zu Verbrennungen kommen kann.

Autos schützen - dennoch aufpassen!

Wir alle haben es im Physik-Unterricht gelernt - im Auto ist man vor Blitzen sicher. Denn die Metallhülle wirkt als sogenannter Faradayscher Käfig. Im Inneren ist man geschützt: Der Blitzstrom läuft über die Außenhaut zur Erde ab. Doch Vorsicht beim Weiterfahren: Die Reifen könnten durch die Hitze des Blitzes beschädigt sein oder die Elektronik durch die elektromagnetische Strahlung. Ampeln an Kreuzungen oder Bahnübergängen funktionieren während oder nach einem Gewitter möglicherweise auch nicht. Rad- und Motorradfahren müssen bei einem Gewitter auf jeden Fall anhalten und sich in Sicherheit bringen.

Runter vom Berg!

Gewitter beim Bergwandern sind sehr gefährlich. Denn gerade auf felsigem Untergrund kann sich der Strom vom Blitz weit ausbreiten. Darum: Rechtzeitig in Sicherheit bringen! Sollte ein Blitz in der Nähe eingeschlagen sein: Die Felswand nicht berühren, ein Teil des Stroms kann in den Körper fließen und einen Wanderer mehrere Meter weit fortschleudern.

Raus aus dem Wasser!

Baden oder nur im Wasser stehen ist bei Gewitter lebensgefährlich. Der Strom aus Blitzen verbreitet sich im Wasser über sehr große Flächen. Noch in hundert Metern Entfernung kann ein Schwimmer einen Schock bekommen und Ertrinken. Schon wenn das Gewitter aufzieht, sollte man das Wasser verlassen und sich vom Ufer entfernen. Das gilt dann auch für Angler, sagt der VDE.


2