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Tauberflüstern Sagen aus Rothenburg und dem Taubertal

Wenn alte Mauern reden könnten, was würden Sie erzählen? Vier fränkische Autoren haben in Rothenburg und an sagenhaften Orten im Taubertal dem Flüstern alter Steine gelauscht. Herausgekommen ist das Buch "Tauberflüstern" – voller sagenhafter Geschichten.

Stand: 14.08.2019

Buchcover "Tauberflüstern" | Bild: BR-Studio Franken

Kaum eine Stadt in Deutschland ist so vom Mittelalter geprägt wie Rothenburg ob der Tauber. Der historische Charme der Stadt zieht jedes Jahr viele Touristen an, die fasziniert sind von der Rothenburger Vergangenheit.

In eben diese Vergangenheit wollte Kurt Neubauer eintauchen. Dafür ließ er vier fränkische Autoren traditionsreiche Geschichten neu erzählen. Die Autoren Anne Hassel, Gerd Berghofer, Gerd Scherm und Elmar Tannert haben in Rothenburg und an sagenhaften Orten im Taubertal dem Flüstern alter Steine gelauscht – und so sind 24 neu erzählte Sagen entstanden. Die Geschichten werden von Kurt Neubauers ein- und ausdrucksvollen Bildern und den historischen Hintergrundinformationen von Hansotto Neubauer begleitet.

Informationen zum Buch

Das Buch "Tauberflüstern – Sagen aus Rothenburg und dem Taubertal neu erzählt" wurde von Kurt Neubauer herausgegeben und illustriert. Es ist im Verlag Ars Vivendi erschienen, hat 152 Seiten und kostet 17,90 Euro.

Die Leser werden in die Geschichten hineingezogen – beispielsweise in die Geschichte der beiden Kirchtürme der Jakobskirche und zweier ihrer Erbauer. Erzählt wird sie von Gerd Berghofer.

Die Ballade von den verschiedenen Kirchtürmen – von Gerd Berghofer

"Zu Rothenburg einst ward zu bauen
St. Jakob, ein stolz' Gotteshaus.
Weithin waren die Türme zu schauen,
geschaffen von Meisterns des Baus.
Doch Meister war nur der eine,
der andre, der war grad Gesell,
doch viel schöner wirkte der seine,
und er glänzte fast doppelt so hell
wie der Kirchturm des alten Meisters,
der den südlichen hatte erbaut,
und als er den nördlichen schaute,
wie hat es den Meister gegraut."

Aus dem Buch 'Tauberflüstern – Sagen aus Rothenburg und dem Taubertal neu erzählt' von Kurt Neubauer (Hsgb.)

Eine ganz zentrale Sage, die kein Rothenburger und so gut wie kein Besucher der Stadt nicht kennt, ist die Sage des Meistertrunks – oder wie es in dem Buch "Tauberflüstern" heißt: der Meistertrinker von Rothenburg.

Der Meistertrinker von Rothenburg – von Elmar Tannert

"Als im Herbst des Jahres 1631 die kaiserlichen Truppen unter General Tilly mit sechzigtausend Mann gen Rothenburg rückten, auf den von Dauerregen aufgeweichten Wegen zwar mühsam, aber doch unaufhaltsam, und wegen der frühen Kälte jenes Herbstes umso wilder entschlossen, sich brandschatzend aufzuwärmen, schlug die Stunde des Mannes, der von Geburt an die Bestimmung in sich trug, die Stadt aus Not und Gefahr zu retten: Georg Nusch, als Sohn des Patriziers und Gastwirts Leonhard Nusch und seiner Ehefrau Magdalena im Hause Zum Roten Hahn geboren. Ihm rannen die ersten Schlucke Rothenburger, Volkacher und Bronnbacher Weines schon mit der Muttermilch durch die Kehle, und ab seinem zwölften Lebensjahr sag es sein Vater als Teil der Erziehung an, ihn mit den Weinen des Taubertals bekannt zu machen, dann mit Rheinweinen, schließlich italienischen, Muskateller aus Oberitalien, Malvasia aus dem Süden, und ihn mit jedem Wein zu lehren, gute von minderwertigen Tropfen zu unterscheiden, dann exquisite von guten, gute von mäßigen.

Zu diesem Zeitpunkt war der aufgeweckte Knabe bereits acht Jahre lang Lateinschüler, erst im Franziskanerkloster, dann im Gymnasium bei der Jakobskirche, und als er sich mit neunzehn, nach zwei Lehrjahren in einer Notarskanzlei, zum Studium nach Altdorf begab, konnte er als perfekt ausgebildeter Sommelier gelten. In Tübingen setzte er beide Studien fort, das der Rechtswissenschaften und das des Weines (…)

Dabei zeigte sich das segensreiche Wirken der festen väterlichen Hand, die Georg Nusch durch die fränkischen Weine geleitet hatte, gelang es ihm doch, sich eine ebenso große Kennerschaft wie Trinkfestigkeit zu erwerben, ohne jeder Trunksucht zu verfallen."

Aus dem Buch 'Tauberflüstern – Sagen aus Rothenburg und dem Taubertal neu erzählt' von Kurt Neubauer (Hsgb.)

"Tauberflüstern" – das ist beinahe ein Bilderlesebuch.  In ihm lassen sich Ängste und Hoffnungen von Geistlichen, Stadtoberhäuptern, Hirten, Bauern und Handwerkern nachvollziehen. Illustrationen schaffen es, das Charakteristische einer Person oder eines Ortes herauszuschälen. Neben den Sagen und den Bildern helfen Karten und die historischen Informationen dabei, die Vergangenheit Rothenburgs und des Taubertals nachzuvollziehen. Das Buch "Tauberflüstern" – eine Einladung, in die Geschichte Rothenburgs und des Taubertals einzutauchen.


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