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Luftig-lockeres Hefegebäck "Schneidersfleck" - eine Spezialität im Landkreis Ansbach

Hinter dem Begriff "Schneidersfleck" verbirgt sich ein luftig-lockeres Hefegebäck. Das wird im Raum Feuchtwangen im Landkreis Ansbach entlang der "Romantischen Straße" zubereitet. Aber hat tatsächlich ein Schneider etwas mit dem Gebäck zu tun?

Von: Claudia Mrosek

Stand: 21.09.2020

In der Küche von Sabine Bittel in Seiderzell bei Feuchtwangen duftet es nach Hefeteig und warmer, zerlassener Butter. Die gelernte Köchin und hauswirtschaftliche Betriebsleiterin arbeitet bei den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf im Bereich "Ernährung und Hauswirtschaft". Für uns backt sie - ganz privat – "Schneidersfleck".

"Also man kann sich das vorstellen wie ein Hefe-Zupfgebäck, das heißt, wenn das gebacken ist, kann ich das auseinanderreißen oder auseinanderzupfen, und jeder hat sein Stückchen."

Sabine Bittel, Köchin

Den Hefeteig hat Sabine Bittel schon vorbereitet. Ist der Teig gegangen, landet er auf einer bemehlten Arbeitsfläche.

"Wir rollen das jetzt ganz einfach zu einem Rechteck aus, das muss auch gar nicht ordentlich sein. Wir haben jetzt das Rechteck, mit einem ganz einfachen Teigrad schneiden wir das jetzt in Stücke."

Sabine Bittel, Köchin

Diese Teigstücke sind in etwa geldscheingroß und fingerdick. In viel zerlassener, noch etwas warmer Butter werden die Teigstücke dann einzeln gewendet und gerne auch noch in einer Zucker-Zimt-Mischung gewälzt. Eine rund 30 mal 20 Zentimeter große Reine als Backform steht bei Sabine Bittel schon parat.

"Und dann legen wir die in unsere Reine. 'Legen' heißt: Ich versuche, die so hoch wie möglich reinzustellen, Stückle für Stückle und immer ein bisschen versetzt, sodass das hinterher richtig schön fransig wird."

Sabine Bittel, Köchin

Schneidersfleck – früher ein billiges und nahrhaftes Essen

Nach dem Backen in der Röhre ist der saftige Hefeteig der "Schneidersfleck" von einer krossen, buttrigen Kruste umhüllt. Bäuerin Martha Emmert kann sich noch gut daran erinnern, als es in ihrer Kindheit in den 60er Jahren "Schneidersfleck" regelmäßig zum Mittagessen gab.

"Also die waren unsagbar gut. Wenn die aus dem Rohr gekommen sind, dann hat’s einen Kaffee dazu gegeben und dann hat jeder sein Stück zugeteilt gekriegt. Vorher hat’s eine Kartoffelsuppe gegeben und dann hat’s das praktisch als Hauptgericht und als Nachspeise gegeben."

Martha Emmert

Noch lauwarm, locker und luftig hat die Oma von Martha Emmert die  "Schneidersfleck" auf den Tisch der Großfamilie gebracht.

"Das war ein billiges Essen und ein ausgiebiges, das hat etwas 'ausgegeben', das war ja damals auch sehr wichtig. Weil es sehr nahrhaft war."

Martha Emmert

Schneidersfleck – als Grundlage vor dem Schlachten

Unsere private Schneidersfleck-Bäckerin Sabine Bittel hat auch eine Essens-Variante von früher parat.

"Ich weiß, dass es das als Frühstück vor dem Schlachten gegeben hat. Da hat man eine gute Unterlage gebraucht und da hat’s Schneidersfleck gegeben."

Sabine Bittel, Köchin

Schneidersfleck – wo kommt der Name her?

Inzwischen backt man "Schneidersfleck" gerne an Fasching, aber im Prinzip auch das ganze Jahr über. Zur Herkunft des Namens hat  Sabine Bittel folgende Vorschläge:

"Ein einfaches Essen, vielleicht hat’s das oft beim Schneider gegeben. Anderseits ist natürlich die Form prädestiniert, dass man an einen Schneider denkt. Und 'Fleck', den er auf seine Kleidung aufgebracht hat. Oder die dritte Möglichkeit ist natürlich dieses Ausschneiden dieser Flecken, dieses Rädeln, das ist natürlich auch eine Bewegung vom Schneider, sozusagen."

Sabine Bittel, Köchin

Was nun stimmt? Darüber lässt sich beim Genuss von "Schneidersfleck" hervorragend spekulieren.


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