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James Edward Albright Junior Porträt eines Pressefotografen

Wer in Franken die Zeitung aufschlägt, findet häufig den Hinweis "Foto: Albright". Dahinter steckt der Fotograf James Edward Albright Junior – ein Texaner, der seit vielen Jahren in Franken lebt.

Von: Ilona Hörath

Stand: 18.06.2020

Die Bilder kennt jeder: Gazellenartige und spektakulär angezogene Modemodels staksen die Catwalks entlang, um sie herum tobt das Blitzlichtgewitter. Doch mitten im dichten Fotografengedränge um die beste Perspektive kämpfen? Nein, das ist nicht das Ding von James Edward Albright Junior. Genauso wenig hält er das Händeschütteln und die großen Gesten von Weltpolitikern im Bild fest. Was dem Pressefotografen in Diensten der Fränkischen Landeszeitung in Ansbach vor die Kameralinse kommt? Leute wie du und ich. Menschen, zu denen er sich allein schon aufgrund seines Naturells und seiner Offenheit hingezogen fühlt.

"Die klassische Pressefotografie, alles von Mordfällen, Gerichtsfällen, Schule, Kunst, sehr viel Kunst, Baustellen, alles Mögliche, aber daraus kommt ein Mosaik von Menschen, die ich kennengelernt habe. Du kommst in Kontakt mit Menschen, du brauchst sie, um eine Geschichte zu erzählen. Man weiß nie, welche Menschen man an einem Tag trifft und wie oft und wo. Ich war bei einem Menschen auf einem Baukran 40 Meter in der Luft, wir liefen auf der Rückseite, wo die Gewichte sind, und dann hat es angefangen das Ding im Kreis drehen. Wow, das war toll."

James Edward Albright Junior, Pressefotograf

Magische Momente des Alltags

Albrights Beruf führte ihn oft in den Barock-Hofgarten von Ansbach, der für ihn eine Oase der Erholung ist. Im Hofgarten fotografiert James Edward Albright Junior seit Jahren zum Beispiel die Rokokofestspiele, Flaneure oder die städtischen Gärtner, wenn sie gerade neue Bäume pflanzen. Auch wenn er mal keinen Redaktionsauftrag hat: Seine Kamera mit dem verbeulten Objektiv hat Albright immer bei sich, auch im Urlaub oder auf seinen Reisen nach Aserbeidschan, China und den USA. So fängt er gut beobachtete, magische Momente des Alltags ein, denen oft eine gute Portion Humor und Gewitztheit innewohnt.

Zum Beispiel einen Hoteleingang, auf dessen Fußmatte statt eines Willkommensgrußes "Good-Bye" steht; zwei als Türklingel beschriftete Klingelknöpfe, die zu einer Bewohnerin namens "Frau Klingler" führen. Oder eine Großstadtszene, in der eine Straßenkehrerin und eine stylische Shopperin sich begegnen – und jede richtet ihren Blick fest auf den Boden.

"Eines von meinen Lieblingsbildern war eine Frau im 3. Stock eines Altersheims, eine Terrasse eingeglast, und die Frau saß und hat eine Zeitung gelesen. Hinter der Frau war ein Fensterputzer auf einem Kran, ohne dass sie das gesehen hat. In dem Moment als ich fotografierte, schaute es so aus, als ob er über den Kran über ihre Schultern mitgelesen hat, also solche Sachen!"

James Edward Albright Junior, Pressefotograf

Wann ist ein Foto schön?

Albright saugt das Leben mit allen Poren auf und destilliert daraus spannende Erzählungen. Er weiß genau, wann ein Foto schön ist.

"Ein Foto ist schön, wenn ich weiß, dass der Leser das verstanden hat, was ich gesehen hab, dass er genau das Gleiche sieht, was ich gesehen habe. Das ist meine Botschaft, ich mach nur ein Fragment von einer Situation, das manchmal stundenlang dauert, die müssen an mein Bild glauben, die müssen glauben, dass es die Wahrheit ist, das ist mit sehr wichtig. Dieser kleine Bruchteil von einem Fragment erzählt die ganze Geschichte in einem Bild."

James Edward Albright Junior, Pressefotograf

Wie ein Texaner die Franken erlebt

Wer mit James Edward Albright Junior spricht, bemerkt seinen amerikanischen Akzent sofort. Der Mann, der immer ein sympathisches Lächeln im Gesicht trägt, wurde in Texas geboren, er fotografiert, seit er zwölf Jahre alt ist. Weil sein Vater einst meinte, er vertrage etwas mehr Disziplin, ging er 1978 zur US-Army. Dort arbeitete er vier Jahre als Heeresjournalist und Fotograf in Nürnberg, kehrte wieder nach Texas zurück und studierte dort Journalismus. Doch es zog ihn wieder nach Franken, in das er sich längst verliebt hatte. Bis 1993 war er Redakteur für unterschiedliche US-Heereszeitungen, dann wechselte er zur Fränkischen Landeszeitung als Pressefotograf. Doch wie sieht und erlebt ein Texaner, der seit 41 Jahren in Franken lebt, die Franken?

"Der Franke ist normalerweise zurückhaltend, aber durch meinen Beruf hab ich gesehen, es ist nicht wirklich so, die Leute wollen was sagen, der Franke hat den Bedarf etwas zu erklären, die Welt. Oft aber braucht er, oder braucht sie die Zeit etwas zu machen, und man muss geduldig sein und dann kommt das alles raus, die Leute haben ganz coole Geschichten zu erzählen."

James Edward Albright Junior, Pressefotograf

In Franken fühlt sich der 62-jährige Fotograf, der sich als "geborener Optimist" versteht, nicht nur pudelwohl, sondern auch angekommen.

"Ich bin immer noch Amerikaner, aber ich fühl mich viel mehr als Europäer. Ich merke, wenn ich zurückgehe nach Amerika, ich vermisse die Sachen, die ich hier habe, mein eigenes Land wird mehr und mehr ein fremdes Land für mich, ich krieg richtig einen Kulturschock, wenn ich nach Amerika gehe, mit dem Trump sowieso. Vor 30 Jahren war das so, ich ging nach Amerika, nach LA oder Dallas, wo ich herkomme, und als ich zurückkam ich hab ich das sehr vermisst, ahhh das Flair, Dallas und Los Angeles. Aber in der Zwischenzeit, ich bin immer froh, wenn ich zurückkomme. Heimat, das ist schwer für einen Ausländer zu sagen, aber es ist meine Heimat geworden in den letzten 20, 30 Jahren, ich merk das mehr und mehr, dass ich hier gehöre."

James Edward Albright Junior, Pressefotograf

Ein Tipp für alle Hobbyfotografen

Und für alle, die schon immer wissen wollten, was ein gutes Foto auszeichnet, hat der Pressefotograf James Edward Albright Junior einen ganz speziellen Tipp:

"Ich sage: Nicht zu viel im Bild haben, konzentrier dich auf einen Mittelpunkt, relativ nah rangehen. Ein guter Fotograf ist bekannt durch die Fotos, die er oder sie nicht zeigt, also alle schlechten Fotos raus. Weniger Fotos, nur die besten, das muss man selber erkennen. Richtig reduziert nur auf das, was richtig wichtig ist."

James Edward Albright, Pressefotograf


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