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2. Fränkisches Mundart-Festival Fränkische Lebensart pur beim "Edzerdla"

Bei der zweiten Ausgabe des fränkischen Mundartfestivals "Edzerdla" sind nicht nur Dichter, Schriftsteller und Musiker aufgetreten. Mit vielen Schmankerln wurde zwischen Streuobstbäumen auch die fränkische Lebensart gefeiert.

Stand: 27.06.2018

Lederhose, Oktoberfest und der bayerische Dialekt: Damit verbinden viele Menschen, vor allem im Ausland, Bayern – wenn nicht gleich ganz Deutschland. Die fränkische Mundart muss dagegen oft noch gegen Klischees und ihren wohl berühmtesten Vertreter Lothar Matthäus kämpfen. Zu Unrecht – das hat einmal mehr das Fränkische Mundart-Festival in Burgbernheim bewiesen. Es fand erst zum zweiten Mal statt – kann sich aber schon behaupten.

Stars der fränkischen Szene – und Neuentdeckungen

Bei der zweiten Ausgabe des Festivals waren schließlich wieder Künstler dabei, die sich längst einen Namen gemacht haben, aber auch Geheimtipps und Neuentdeckungen der fränkischen Künstlerszene. Auf zwei Bühnen traten an den beiden Tagen unter anderen diese Künstler auf: "Der Schdief" aus Nürnberg machte fränkische Rockmusik. Blao (Siggi Michl) aus Bayreuth brachte Weltmusik auf fränkisch auf die Bühne. Die Bambägga/ALC gaben fränkischen Rap zum Besten. Und Nauswärts, der singende Nordire, entdeckte seine Liebe zum Fränkischen.

Zwei Tage, zwei Bühnen – und jede Menge Musik und Wortakrobatik

Mit Fitzgerald Kusz und Gerhard C. Krischker trafen zwei Größen der fränkischen Mundart aufeinander. Der Wortakrobat Oliver Tissot lieferte eine virtuose "Innen- und Außenschau" auf den fränkischen Dialekt. Und Altmeister Eberhard Wagner hat jahrzehntelang Theaterstücke und hochkarätige Texte verfasst. Ob Rock, Weltmusik, Rap oder fränkische Gedichte – das Programm war äußerst abwechslungsreich.

Mehr Selbstbewusstsein fürs Fränkische

Ins Rollen gebracht hat das Festival Mundart-Autor Helmut Haberkamm. Fränkisch – das ist seine große Leidenschaft. Er ist einer der renommiertesten Autoren in Franken und einer, der ständig wuselt, schreibt und organisiert. Nun also auch das Dialekt-Festival "Edzerdla". Mit diesem fränkisch drängenden Wort hat Helmut Haberkamm dem Festival einen Namen gegeben, aber auch so etwas wie eine Botschaft ausgerufen: Mehr Selbstbewusstsein fürs Fränkische – einen Dialekt, der es viele Jahre schwer hatte. Doch warum findet das Festival in Burgbernheim statt?

Helmut Haberkamm | Bild: Helmut Haberkamm

"Da oben am Kapellenberg in Burgbernheim sind damals ein paar Freunde spazieren gegangen. Ich war mit dabei und ein Freund hat gesagt: Mensch, ein tolles Gelände, das wäre etwas für ein fränkisches Woodstock. Und dann habe ich gesagt: Da hast du Recht. Ich hätte gerne mal so ein fränkisches Mundart-Festival in Franken. Eine Woche später hatten wir einen Termin am Kapellenberg mit dem Bürgermeister der Stadt Burgbernheim und der fand die Idee toll und gesagt, das machen wir."

Helmut Haberkamm, Mundart-Autor

Doch wozu braucht es überhaupt ein fränkisches Mundart-Festival?

"Was zeichnet Franken aus? Das sind nicht nur große Städte und Sehenswürdigkeiten. Das Eigentliche ist, finde ich, der Dialekt. Der ist unverwechselbar. Und wir Franken haben ein gewisses Nachholbedürfnis. Andere Gebiete sind viel selbstbewusster mit ihrer Mundart – Oberbayern zum Beispiel. Und wir haben da ein großes Defizit und ich habe mir gedacht, das müssten wir doch mal darstellen, was wir alles haben. Die meisten Leute wissen ja gar nicht, welche Musiker wir haben, welche Dichter und Kabarettisten. Und das zu bündeln fand ich sehr reizvoll."

 Helmut Haberkamm, Mundart-Autor

Auch diesmal organisierte wieder die Stadt Burgbernheim das Festival "Edzerdla" – und wurde unterstützt von einem ehrenamtlichen Helferteam. Neben den Auftritten konnten die Besucher auch über einen Regionalmarkt schlendern.


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