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Öle aus Franken Die Ölmühle in Abtswind

Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine wird wieder gehamstert. Zum Beispiel Speiseöl. Deshalb werden auch heimische Ölmühlen überrannt. Die Ölmühle in Abtswind aber nicht. Zu hochwertig und kostbar sind ihre Produkte.

Von: Anke Gundelach

Stand: 03.05.2022

Mitten im Altort des schmucken Winzerdörfchens Abtswind, zwischen dem Unteren und dem Oberen Tor, betreibt die Familie Schwanfelder das Gasthaus zur Ölmühle, und in der heimischen Hofstelle gleich daneben steht die namensgebende Ölmühle selbst. Sonnenblumen-, Walnuss- oder Rapsöl wird hier hergestellt. Die Spezialität des Hauses ist aber das fränkische Traubenkernöl.  

Familie Schwanfelder

Thomas Schwanfelder und zwei Brüder betreiben die Ölmühle. Sie dürften weit und breit die einzigen sein, die Weintraubenkerne zu Öl verarbeiten. Kein Wunder bei dem Aufwand, der dafür nötig ist.

"Es ist eine Rarität. Unseres Wissens sind wir die einzigen in Franken, die das herstellen und es auch selbst sieben. Wir kaufen keine Kerne am Weltmarkt, wir sieben sie hier in der Region. Und wir reinigen und lagern selber ein."

Thomas Schwanfelder, Ölmühle Abtswind

50 Kilogramm Traubenkerne für einen Liter Öl

Groß ist die Ölausbeute nicht beim Traubenkern. Unmengen davon werden benötigt, um auch nur eine Flasche abfüllen zu können, erklärt Thomas Schwanfelder.

"Also so eine Faustregel ist: Wir bekommen einen Liter Öl aus der Menge, die man für 2.000 Liter Wein bräuchte. Einfacher gesagt: Wir brauchen 50 Kilogramm saubere, gereinigte, getrocknete Kerne für einen Liter Öl."

Thomas Schwanfelder, Ölmühle Abtswind

Klar, dass so ein Öl dann nicht für drei Euro fünfzig im Laden stehen kann.  

"Der Liter Traubenkernöl liegt bei 100 Euro. Wir verkaufen eine 0,1 Liter-Flasche für 11,20 Euro. Dem Aufwand entsprechend ist es natürlich schon ein relativ kostspieliges Öl."

Thomas Schwanfelder, Ölmühle Abtswind

Allerdings eines, dass bei der Kundschaft im familieneigenen Hofladen und im Restaurant sehr geschätzt wird. Thomas Schwanfelder steht im Gasthaus zur Ölmühle am Herd, seine Frau Claudia macht den Service.

"Unsere Öl-Menagen stellen wir auf alle Tische, wenn Salat gegessen wird. Und wehe, ich vergesse das – dann wird das sofort reklamiert. Ich denke, unsere Gäste schätzen unsere Öle und dass sie auch mal ein Traubenkernöl oder ein Walnussöl aus Franken probieren dürfen. Das kommt sehr gut an. Die Öle, die wir im Supermarkt kaufen, sind ja raffinierte Öle. Die schmecken eigentlich nach gar nichts. Und unsere Öle schmecken wirklich nach dem, woraus sie sind. Das besondere Merkmal beim Rapsöl zum Beispiel ist, dass es sehr kohlig schmeckt. Beim Sonnenblumenöl riecht man die Sonnenblume förmlich, dieses nussig-kernige. Das Traubenkernöl schmeckt so ein bisschen wie wenn man im Herbst beim Winzer ist und der keltert gerade den Wein. Also dieses Fruchtige vom Wein kommt da voll durch. Und Walnussöl schmeckt nach Walnuss."

Claudia Schwanfelder, Gasthaus zur Ölmühle

So mancher Gast deckt sich im Hofladen dann freilich auch noch mit Öl ein. Und mit anderen feinen Sachen. Hollunderessig zum Beispiel, oder Honig, Aroniasaft, Marmeladen und Wein. Was das Jahr eben so biete, sagt Claudia Schwanfelder.

"Lust auf unsere glückliche Gans"

Das Gasthaus zur Ölmühle

Noch etwas früh im Jahr ist es aktuell für einen deftigen Gänsebraten im Gasthaus zur Ölmühle. Vorbestellen kann man den aber jetzt schon. Man reserviert sich praktisch ein Küken, das dann später als Gans auf den Teller kommt.

"'Lust auf unsere glückliche Gans' nennt sich das bei uns. Und idealerweise bestellt man im Frühling schon sein Gänseküken vor. Im Oktober sagt man dann, wann man zu uns kommen möchte und darf dann auch sagen, wie wir die Gans füllen sollen und welche Beilagen man dazu möchte. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass die meisten Gänse klassisch gefüllt werden, mit Innereien und Semmelstücken, wie es die Oma früher gemacht hat. Oder auch mit Apfel und Quitte. Und ein paar Gänse haben wir, die mit Maronen gefüllt werden."

Claudia Schwanfelder, Gasthaus zur Ölmühle

Drei Landwirte aus der Region liefern die glücklichen Gänse. Einer davon ist Gerald Heinle aus Geroda.

"Grundsätzlich ist es immer gut, wenn der Produzent gleich weiß, wo sein Geflügel hingeht. Und für uns ist die Gastronomie natürlich ein interessantes Standbein, weil das die Saison entzerrt und zum anderen, weil wir dann eine Kalkulationsgrundlage haben – jawohl, diese Zahl an Gänsen ist schon vorbestellt. Wir füttern eine Eigenmischung mit hofeigenem und regional zugekauftem Getreide. Wir wissen, was wir unseren Tieren gefüttert haben."

Gerald Heinle, Geflügelzüchter

Und der Gast im Wirtshaus weiß, was er bald Gutes sozusagen "zu futtern" bekommt. Die Küken bei Gerald Heinle und seinen Kollegen müssen dafür aber noch kräftig wachsen. Die Ölmühle der Schwanfelders wird unterdessen bald wieder in Aktion sein.

"Es geht jetzt langsam wieder mit Führungen los. Bei denen wir zeigen, wie gesiebt und gepresst wird. Das geht jetzt wieder los. Ich gehe davon aus, dass wir Mitte Mai wieder anfangen zu pressen."

Thomas Schwanfelder, Ölmühle Abtswind


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