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Fränkische Gschichten Dialekt beim Daten und an der Uni

In den Fränkischen Gschichten porträtieren wir diesmal den Autoren Eberhard Wagner und den Arsvivendi Verlag. Außerdem wollen wir wissen, wie sich die Uni mit Dialekten befasst. Mit einem Augenzwinkern geht es dann noch zum netten Kennenlernen beim "Dialekt Dating".

Stand: 07.09.2018

Fränkischer Dialekt | Bild: picture-alliance/dpa

Dialekt ist Teil unserer Persönlichkeit. Aber was genau sind eigentlich Dialekte? Warum sprechen wir sie und was sagen sie über uns aus? Wann, wo und wie wird die Mundart verwendet? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Sprachwissenschaft. Eine große sprachwissenschaftliche Fakultät gibt es auch an der Friedrich-Alexander Universität in Erlangen-Nürnberg, mit einem wissenschaftlichen Zentrum, das all diese Fragen beantwortet. Wir haben das Interdisziplinäre Zentrum für Dialekte und Sprachvariationen besucht.

Der Sprachatlas von Mittelfranken und das Fränkische Wörterbuch

Die Dialektforschung weltweit geht dort Hand in Hand mit der Erforschung der regionalen Dialekte vor Ort – der fränkischen Mundart. Und das mit bereits 50-jähriger Tradition. In Zusammenarbeit mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wurde dort etwa der Sprachatlas von Mittelfranken erarbeitet und ganz aktuell auch das Fränkische Wörterbuch.

30 Jahre ars vivendi

Außerdem statten wir einem großen fränkischen Verlag einen Besuch ab: ars vivendi aus Cadolzburg feiert in diesem Jahr nämlich 30. Geburtstag. ars vivendi, die "Kunst des Lebens" also hat Norbert Treuheit seinen Verlag genannt. Zu dieser Kunst gehört für ihn vor allem, gut zu essen und zu trinken. Er begann mit den kritischen Restaurantführern "Zwischen Sekt und Selters". Vom Erfolg dieser Reihe beflügelt, baute er sein Programm immer weiter aus. 23 Restaurantführer brachte Treuheit heraus, rund 30 Kochbücher gibt es mittlerweile ei ars vivendi. Doch das war dem Anglisten und Germanisten Nobert Treuheit nicht genug.

"Ich konnte mir nicht vorstellen, nur einen Reiseführer- beziehungsweise Gastroführer-Verlag zu haben, das heißt ich wollte unbedingt das Programm erweitern mit Belletristik, mit Romanen, Klassikern und das war dann auch gleich im zweiten Jahr, dass wir in die Literatur eingestiegen sind und nach drei, vier Jahren, dass wir den ersten Fotokunstkalender gemacht haben."

Norbert Treuheit, Verleger

Heute ist ars vivendi für seine Kalender bekannt, für Regionalkrimis, Belletristik, die Liebe zu fränkischen Autoren und für eine ganz besondere Shakespeare-Ausgabe. Und wir von den Fränkischen Gschichten gratulieren zum Jubiläum.

Dialektforscher Eberhard Wagner ist 80 geworden

Außerdem gratulieren wir Eberhard Wagner zum 80. Geburtstag. Kaum einer in Franken hat sich um den Dialekt so verdient gemacht wie er, als Wissenschaftler, Kabarettist und Autor. Und all das, obwohl er ursprünglich nicht einmal aus der Gegend stammt:

"Ich bin in Thüringen geboren und dann Franke geworden. Und mein Beitrag zur Integration ist, dass ich den Dialekt gelernt hab."

Eberhard Wagner, Mundartforscher

Als er 1945 auf einen Bauernhof nahe Creußen bei Bayreuth kommt, wird Fränkisch die Erste Fremdsprache. Sie zu lernen ist eine kindliche Überlebensstrategie.

"Es wiederholen sich die Dinge heute anderweitig auch wieder: Wie ich am Dorf draußen mit den Kinder gespielt habe, die haben gesagt: Ihr Flüchtlingskinder, was wollt denn ihr da. Ihr könnt ja nicht einmal richtig plaudern."

Eberhard Wagner, Mundartforscher

Bald ist Wagner in der neuen Sprache zu Hause, mehr noch: Fränkisch wird Wagners gesamten beruflichen Werdegang bestimmen. Durch sein vielfältiges Schaffen und nicht zuletzt durch seine wöchentliche Mundart-Kolumne im regionalen Radiosender aber auch im Bayerischen Rundfunk, ist Wagner in Bayreuth und darüber hinaus bekannt. Er wurde mit Kulturpreisen ausgezeichnet, darunter mit dem Frankenwürfel und dem Bundesverdienstkreuz am Bande. Ein Ruhm, der ihn freut und ihm gleichzeitig widerstrebt.

"Manchmal ist es mir zu viel. Die Leute halten mich auf der Straße an und sagen sie sind doch der Wagner, gell. Können sie mir mal erklären, wo das Wort Rowern herkommt. Und da kann ich nicht sagen, rutsch mir den Buckel runter, ich muss das zu machen (lacht). Heute sagen sie alle Experte zu mir. Ich kann solche Wörter nicht leiden. Noch blöder, neulich habe sie mich hier in Bayreuth Mundartpapst genannt. Ich habe gesagt, nun hört aber mal auf, jetzt reicht´s aber, ich bin kein Papst."

Eberhard Wagner, Mundartforscher

Ein Papst dann eben nicht. Aber Eberhard Wagner ist der einflussreichste Mundart-Forscher und -liebhaber in Ostfranken. Und er ist nun 80 geworden. Wir von den Fränkischen Gschichten sagen: Herzlichen Glückwunsch!

Daten im Dialekt

Zum Schluss schauen wir noch mit einem Augenzwinkern auf das Thema "Dialekt Dating" an. Im Internet hat vor zwei Jahren nämlich ein Wiener Star-Up für Bewegung auf dem Dating-Markt gesorgt: Mit einer App, auf der man sich nicht mit Fotos und Chatnachrichten kennenlernt, sondern allein durch die Stimme. Tolle Sache, denn die Stimme verrät schließlich Einiges über uns. Nur nicht ganz zu Ende gedacht, finden wir. Denn am Ehrlichsten wäre es doch, wenn das allein über den Dialekt laufen würde. Schließlich fühlen sich zwei Drittel aller Deutschen von Menschen mit Dialekt angezogen. Wie wir uns so ein Dialekt Dating vorstellen? Das verraten wir Ihnen in den Fränkischen Gschichten.


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