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Mundart-Magazin "Derschwitzen" ist das oberfränkische Wort des Jahres

Diesmal reden wir im Mundart-Magazin über das kürzlich gekürte Oberfränkische Wort des Jahres. Außerdem beleuchten wir die Rolle der Mundart in den Kirchengemeinden, schauen zum Dialekttag in Arnstein und gehen in die Nürnberger Südstadt, wo viele Sprachen gesprochen werden – nicht nur fränkisch.

Stand: 05.10.2018

Bekanntgabe des Oberfränkischen Wort des Jahres 2018 | Bild: BR

Haben Sie ein Lieblingswort im Dialekt? Vor kurzem ist wieder das Oberfränkische Wort des Jahres gekürt worden. Dafür haben 1.500 Menschen Vorschläge an den Bezirk Oberfranken geschickt. Darunter waren Wörter wie "Bäbbm" – so heißt Lippenherpes in Franken. Oder die "Blunzn" – ein Wort, dass Franken zum Beispiel für den dicken Bauch verwenden. Das Rennen gemacht hat aber ein anderes Wort: derschwitzen. Das passt laut Jury wunderbar zum vergangenen heißen Sommer. Es bedeutet so viel wie: durch Schwitzen zu Grunde gehen.

Wischkästla, a wenig wenig und Urigeln

Seit 2015 kürzt eine Jury ein Dialektwort zum Oberfränkischen Wort des Jahres. Das erste Gewinnerwort war "Wischkästla", ein neu erfundener Begriff für das Smartphone. 2016 war es dann die Redewendung "A weng wenig". Im Jahr darauf machte der fast vergessene Begriff "Urigeln" das Rennen. Urigeln ist das kribblende Gefühl, das sich in kalten Händen oder Füßen breitmacht, wenn sie langsam wieder warm werden.

Dialekt oft passgenauer als das Hochdeutsche

Ausgewählt wird das Wort von einer vierköpfigen Jury. Mit dabei ist Barbara Christoph, die Leiterin der KulturServiceStelle des Bezirks Oberfranken.

"Beim oberfränkischen Wort des Jahres wollen wir zeigen, dass der Dialekt oft besser, passgenauer ist als das Hochdeutsche."

Barbara Christoph, Leiterin der KulturServiceStelle des Bezirks Oberfranken

Schon wird das kommende Oberfränkische Wort des Jahres gesucht

Neben Barbara Christoph sitzen noch Sabine Knieling vom Extra-Radio aus Hof und Almut König vom Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft in der Jury, sowie Bertram Popp, Leiter des Bauernhofmuseums Kleinlosnitz. Bei über 1.500 Einsendungen, die übers Jahr verteilt in der KulturServiceStelle eingegangen sind, hatten sie auch dieses Jahr wieder die Qual der Wahl. Ab sofort freuen sie sich übrigens über Vorschläge für das Oberfränkische Wort des Jahres 2019.

Mundart in der Kirche

Haben Sie schon einmal etwas vom AK MINK gehört? Das ist die Abkürzung für "Arbeitskreis Mundart in der Kirche". Der fränkische Arbeitskreis beschäftigt sich damit, welche Rolle Mundart in den Kirchengemeinden einnehmen kann. Wer schon einmal einen Mundartgottesdienst besucht hat oder ein Kirchenlied auf Fränkisch gehört hat, der kam höchstwahrscheinlich damit schon in Kontakt. Den AK MINK gibt es bereits seit 25 Jahren. Da gehen Menschen ihrer Leidenschaft für fränkische Mundart sozusagen auf ganz himmlische Art und Weise nach.

Boulevard Babel – in der Nürnberger Südstadt

Miteinander reden ist wichtig. Die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, gab es Ende September bei einem außergewöhnlichen Aktionstag in Nürnberg. Dazu hatte das Kulturreferat eingeladen, im Hinblick auf die Bewerbung Nürnbergs zur Kulturhauptstadt Europas 2025. Schätzungsweise 80 Sprachen herrschen vor in der Südstadt. An diesem Tag sollte es ein Babel der Verständigung werden. Also hatte man das Straßenstück der Wölckernstraße zwischen Pillenreuther Straße und Hummelsteiner Weg kurzerhand für den Autoverkehr gesperrt, einen grünen 1.500 Quadratmeter großen Rollrasen ausgelegt und alles zur Kulturzone erklärt, in der auch Hinterhöfe und nahezu jeder Zentimeter bespielt werden sollten.

Boulevard Babel – eine muntere Plattform für Zukunftsideen und Beteiligungsprojekte aller Art, eine bunte, multikulturelle Straße der Sprachen, ein Boulevard, an dem man reden, übersetzen, kommunizieren und diskutieren konnte und ein Nachmittag, an dem alle sich beteiligen konnten.

Thementag Dialekt in Arnstein

Dann schauen wir noch nach Büchold, das liegt bei Arnstein in Mainfranken und hat 770 Einwohner. Vor kurzem kamen da knapp 100 Menschen ins Sportheim. Der Frankenbund e.V. mit Sitz in Würzburg und der Verein Unterfränkisch aus Büchold hatten nämlich zum Thementag "Fränkische Dialekte" eingeladen, an dem Laienarbeit auf Wissenschaft traf.


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