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Alexander Herrmann mit Andreas Hock "… und eine Prise Wahnsinn"

Als Sternekoch kann Alexander Herrmann kulinarische Kunstwerke zaubern. Doch Herrmann ist auch TV-Entertainer und Gastro-Unternehmer mit eigener Führungsphilosophie. Beide Aspekte liefern den Stoff für sein Buch "…und eine Prise Wahnsinn".

Von: Anja Bischof

Stand: 03.12.2020

Als Alexander Herrmann neun Jahre alt ist, stellt das Leben seine Weichen für ihn neu. Am 9. Juni 1980 sterben seine Eltern bei einem Autounfall. Mit dieser persönlichen und prägenden Katastrophe beginnt die Autobiographie des Sternekochs, der bis dahin ein behütetes, aber auch ungewöhnliches Leben geführt hat.

Hotelmitarbeiter bringen Alexander Herrmann durchs Leben

Aufgewachsen ist der oberfränkische Bub im beschaulichen Wirsberg im Landkreis Kulmbach. Ein verschlafenes, idyllisches Nest am Rand des Frankenwalds, das zweimal im Jahr zum Wallfahrtsort für Promis aus dem gesamten Bundesgebiet wird: Wenn in Bayreuth die Richard-Wagner-Festspiele und wenn in Hof die Internationalen Filmtage gefeiert werden. Dann wohnt der kleine Alexander im Posthotel seiner Eltern Tür an Tür mit Größen wie Udo Jürgens. Aber auch mit der Belegschaft des Hotels. Dieser Umstand ist nach dem Tod seiner Eltern ein Glücksfall.

"Damals war diese Belegschaft mein Halt, die mich ja dann ein Stück weit durchs Leben gebracht hat. Wenn die Azubis da waren, dann bin ich mit denen in die Disco gegangen. Unsere Hausdame, die Monika Lottes, hat mich morgens geweckt. Und früher hat sie mich in den Kindergarten gebracht. Mit dem Grampp-Hans bin ich immer von Baustelle zu Baustelle gegangen. Das war unser Hausmeister. Von Jürgen Beyer in der Küche habe ich wichtige Dinge gelernt wie: Wer saufen kann, kann auch arbeiten. Das war in der pubertären Phase wichtig. Das heißt: Dieses ganze Hotel war immer schon mein menschliches Gerüst. Und ohne es gemerkt zu haben, habe ich das, als ich selber Chef wurde, zurückgegeben."

Alexander Herrmann

Leidvolle Lehrjahre

Bis er Chef wird im Posthotel in Wirsberg, muss sich der junge Alexander noch einige Sporen verdienen. Er absolviert die Meisterschule, geht in die Lehre bei Spitzenköchen, von denen manche menschlich mehr als schwierig sind. Der Leser durchleidet die Lehrjahre des späteren Sternekochs an dessen Seite und freut sich über den Sprung ins TV-Geschäft, dem eine winzige Anzeige in einer Gastro-Zeitung vorausgegangen war. Dann kam es zu einer denkwürdigen Probe für eine Aufzeichnung, über die Alexander Herrmann heute noch lachen kann. Er war während einer Kochprobe vom Produktionsleiter befragt worden, ob er wisse, wo der Name Crepe Suzette herkomme. Im Buch hat Herrmann seine Antwort so festgehalten:

"Dieser berühmte Nachtisch ist entstanden, als ein Lehrling in einem feinen französischen Restaurant erstmals Pfannkuchen mit Sauce für eine wohlhabende Gesellschaft direkt am Tisch zubereiten sollte, antwortete ich so souverän wie möglich. Dann ist ihm dabei versehentlich der Grand Marnier umgekippt daraufhin fing der Alkohol auf der offenen Flamme Feuer und der junge Mann erklärte den Gästen, dass das so gehörte und goss gleich noch mehr Likör in die Pfanne. Und das war dann eben die 'Suzette du Soir', oder 'Überraschung des Abends'. Meine kleine Anekdote aus solidem Halbwissen enthielt zwar einen Funken Wahrheit, aber dafür den entscheidenden Fehler, dass das Wort Suzette auf Französisch nicht Überraschung bedeutet, sondern in Wirklichkeit der Vorname einer jungen Begleiterin des Prince of Wales war, der bei diesem geschichtsträchtigen Abend Ende des 19. Jahrhunderts auch beim Dinner mit dabei gewesen sein soll."

Auszug aus '… und eine Prise Wahnsinn' von Alexander Herrmann mit Andreas Hock

Eine gehörige Portion Quatsch – bringt ihn ins Fernsehen

Obwohl Alexander Herrmann in diesem Moment eine gehörige Portion Quatsch erzählt und das auch sofort zugegeben hat, war diese Probe-Aufzeichnung entscheidend für seine Zukunft beim Fernsehen. Denn Fernsehköche waren damals noch eher wortkarg und humorlos. Alexander Herrmann sollte das ändern.

"Durch diese erfundene Geschichte, durch diesen Moment der Spontaneität hat damals der Sender Vox entschieden: Den Herrmann, den brauchen wir beim Kochduell. Und wenn man es so sehen möchte - die hanebüchene Geschichte über den Crepe Suzette, die eigentlich so nie stattgefunden hat, hat mir die Tür geöffnet, dass ich die Möglichkeit Fernsehen für mich entdecke."

Alexander Herrmann

Eines der 40 besten Restaurants in Deutschland

Auch abseits vieler unterschiedlicher TV-Produktionen läuft es gut für Alexander Herrmann. In Nürnberg eröffnet er zwei zusätzliche Gastrobetriebe. Das Posthotel und das dazugehörige Gourmetrestaurant sind Gästemagnete. In dem Koch Tobias Bätz hat Herrmann außerdem einen Partner gefunden, der die Küche in Wirsberg wuppt. Im Jahr 2019 verleiht der Guide Michelin dem Restaurant Alexander Herrmann by Tobias Bätz den zweiten Stern. Damit gehört es zu den 40 besten Restaurants in Deutschland.

"Das ist ein Lebensmoment, der geschaffen wurde. Ich weiß nicht, wie lange wir diesen zweiten Stern halten werden. Es kann sein, dass wir irgendwann mal von anderen kulinarisch in der Qualität überholt werden. Oder dass wir vielleicht auch eine dunkle Phase haben. Dann ist das so. Aber wir hatten ihn und jetzt haben wir ihn noch. Und das ist der entscheidende Punkt. Und mir ist das sehr wichtig. Er gibt vor allem dem Team natürlich viel Kraft und viel Sinn für das, was wir im Alltag tun."

Alexander Herrmann

Vom Management-Buch zur Autobiographie

Das Buch "Und eine Prise Wahnsinn" von Alexander Herrmann war ursprünglich als Leitfaden für Führungskräfte geplant gewesen. Auf diese Idee war Co-Autor Andreas Hock gekommen, als er ein Management-Seminar von Alexander Herrmann begleitet hatte. Dieser war davon zunächst allerdings nicht sonderlich begeistert.

"Ein Management-Buch powered by Sternekoch macht ja wenig Sinn. Wer sollte das denn überhaupt kaufen. Und das Zweite ist, das würde ja nicht besonders dick werden. Es gibt da zwar eine tolle Botschaft, aber die ist ja nicht buchfüllend. Dann ist die Idee entstanden, wir machen diesen autobiographischen Hintergrund, wie ich zu meiner ganz eigenen Philosophie gekommen bin. Und somit ist es ein Stück privat, aber sehr viel natürlich mein Leben im Business."

Alexander Herrmann

Fehler gehören für Alexander Herrmann zum Erfolg

Herrmanns Philosophie hat ganz viel mit dem Umgang mit Fehlern zu tun. Für ihn gehören Fehler zum Erfolg dazu, sie sind nicht das Gegenteil davon. Mit dieser Einstellung hat Alexander Herrmann schon einige Mitarbeiter verblüfft, die ein Donnerwetter erwartet hatten.

"Du machst hundert Mal was gut, beim 101. Mal flattert irgendwo ins Unternehmen eine Beschwerde per E-Mail ein und wegen dieser einen Beschwerde musst du zum Chef, der reißt dir dann halb die Rübe runter und vielleicht ist es noch nicht einmal gerechtfertigt. Aber die hundert guten Male, die werden dann vergessen. Wenn man das kultiviert in den Unternehmen, was bei uns gesellschaftlich eigentlich schon so ist, dann verkrüppelst du als Mensch. Als Mitarbeiter und auch als Chef. Wenn man den Blick verändert und das Großartige feiert und versteht, dass ein Fehler immer mal passieren wird, dann bist du sehr frei und kannst mit viel Kraft nach vorne gehen."

Alexander Herrmann

Der Sternekoch lässt uns in "Und eine Prise Wahnsinn" in die Küchen seiner Karriere und hinter die Kulissen seiner TV-Shows blicken. Was Alexander Herrmann komplett umschifft, ist sein Liebesleben. Wer sich darüber mehr Informationen erhofft, sollte lieber in Klatschmagazinen blättern. Dieses Buch ist eine zart simmernde Lektüre, geschmackvoll mit Anekdoten gewürzt und mit leicht verdaulichen Botschaften garniert.


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