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Reinhard Raffalt Multitalent und Medienstar

Zum 70. Geburtstag des Bayerischen Rundfunks erinnert Zeit für Bayern an den Journalisten und Reiseschriftsteller Reinhard Raffalt. Dessen Hörfunk- und Fernseharbeiten waren prägend für den Rundfunk der 50er bis zu den frühen 70er Jahren.

Von: Ulrich Zwack

Stand: 04.03.2019 | Archiv

Der weiche, südostbairisch eingefärbte Klang seiner Sprache, die einprägsamen Bilder, der Humor und der Kenntnisreichtum Reinhard Raffalts sind legendär: Gleich ob über römische Kaiser, chinesische Kunst, über Osteuropa, Afrika - oder die Politik des Vatikans in den 60er-Jahren: Reinhard Raffalt war im BR der 50er und 60er Jahre allgegenwärtig, sowohl im Radio, wie auch später im Fernsehen.

Sein Lebensweg verläuft nicht eben geradlinig: Geboren 1923 in Passau, darf er neben dem Besuch des Humanistischen Gymnasiums in der väterlichen Druckerei mitarbeiten, eignet sich dort auch das journalistische Handwerkszeug an. Als begabter Musiker darf er beim Passauer Domorganisten Orgel lernen - und wird sogar zum Orgelstudium in Leipzig angenommen. Der Kriegsdienst macht all diesen hoffnungsvollen Anfängen den Garaus. Nach dem Krieg entschließt sich Reinhard Raffalt zum Studium der mittelalterlichen Geschichte und der scholastischen Philosophie in Passau. Dann ergibt es sich, dass er nach ersten journalistischen Anfängen seiner Italiensehnsucht nachgibt. Warum eigentlich? So genau weiß er, der sonst um keine Formulierung verlegen ist, das auch nicht zu sagen:

"Was ich dort suchte, weiß ich eigentlich nicht, auch nicht, welche Sehnsucht es war- Ich hatte keinen brauchbaren Grund. Es überfiel mich einfach die Vorstellung, es wäre gut, in Rom zu sein. Und so bin ich gefahren."

Reinhard Raffalt

Der spontane Entschluss erweist sich als weise Entscheidung: Raffalt wird der Mann in Rom. Ansprechpartner für Zeitungen und Rundfunk, Leiter der "Deutschen Bibliothek", Organist, Konzertveranstalter - ein Tausendsassa, ruhelos, rastlos, unglaublich produktiv, den Genüssen des Lebens durchaus zugewandt…

"Er muss ein sehr charmanter Mann gewesen sein. Und er war einfach in Rom zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Es ist so, dass Zeitgenossen Reinhard Raffalt als sehr, sehr barocke Erscheinung beschreiben. Allein auch durch sein Auftreten, sein Äußeres. Und er hat in Rom eine der schönsten Wohnungen der Stadt gemietet, im Palazzo del Grillo, unweit der Kaiserforen. Dann war er auch ein Liebhaber von Sportwagen, also er hatte verschiedene italienische Modelle, die er gerne gefahren is…"

Dr. Julian Traut vom Haus der Bayerischen Geschichte. Hat über Reinhard Raffalt promoviert

Mit Beginn der 70er Jahre begann Raffalts Stern zu verblassen. Er attackierte die aktuelle Vatikan-Politik des Dialogs mit dem Osten, allein das Zweite Vatikanische Konzil mit seiner programmatischen Öffnung zur Welt hin war ihm nicht recht geheuer. Verschiedene Erkrankungen stellten sich ein - er hatte zu lange Raubbau an seinen Kräften betrieben…

"Er hat wahnsinnig viel gearbeitet und hat auch sehr ungesund gelebt. Er hat viel geraucht. Er ist als sehr hagerer junger Mann nach Rom gekommen, hat dann der römischen Küche sehr zugesprochen und mit Sicherheit auch dem guten Wein. Und so ist er mit nur 53 Jahren an Organversagen gestorben."

Dr. Julian Traut vom Haus der Bayerischen Geschichte. Hat über Reinhard Raffalt promoviert

Zum 70. Geburtstag des Bayerischen Rundfunks bringt Zeit für Bayern eine akustische Biographie des Rundfunkpioniers Reinhard Raffalt von Ulrich Zwack.


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