BR Heimat

Bayerisches Feuilleton Bayerische Berufungen: Der Pfarrer

Samstag, 30.07.2016
08:05 bis 09:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BR Heimat

<strong>"Bayerische Berufungen und Instanzen"
</strong><strong>1) Der Pfarrer</strong>
Von Andreas Pehl
<em>Als Podcast verfügbar</em>
Wiederholung am Sonntag, 20.05 Uhr, Bayern 2

"Gelobt sei Jesus Christus!" Ein würdiger Gruß für eine hochwürdige Instanz. Denn ohne den Pfarrer ist oder war ein Dorfleben in Bayern kaum möglich. "Wos braucht ma auf'm Bauerndorf?" fragt ein Kinderlied um 1850. Und die Antwort ist kurz und bündig: "An Pfarrer, der schön singt, / a Glockn, die hell klingt."

Doch mit dem Singen allein ist es noch lange nicht getan. Religionsunterricht, Seelsorge, Sterbebegleitung, Wetterprognose, Beratung in persönlichen und politischen Fragen - der Pfarrer war für so ziemlich alles zuständig. Bei mancher Sonntagspredigt ist der eine oder andere sicher zusammengezuckt, spätestens wenn die gewilderte Gams, die ledige Mutter oder das falsche Kreuzerl auf dem Stimmzettel von der Kanzel aus Allgemeingut wurden. Denn das Beichtgeheimnis ist zwar heilig, doch wer um alle Fehltritte seiner Schäfchen weiß, der hat auch eine ganz gewaltige Macht im Dorf. Ehen wurde vom Pfarrer angebahnt oder verhindert, die Geschicke von Familien und ganzen Dörfern von den Geistlichen geprägt - und das nicht nur im katholischen Altbayern.

Das Pfarrerklischee ist so gefestigt, dass in einem Lied der Biermösl Blosn die Frage aufgeworfen werden kann: "Herr Pfarrer, i bin am window gwen, wos werd mit meiner software gschehn?" Viel hat sich verändert, doch der Einfluss des Pfarrers auf das Leben im Dorf ist heute immer noch spürbar. Schließlich ist ein Fest ohne Pfarrer und Feldmesse nur "a halbe Sach".

Trotzdem: richtig leicht haben es die Arbeiter im Biergarten des Herrn mit uns hirschfänger- und haarnadelbewehrten Schäfchen nie gehabt. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

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