BR Heimat

Bayern - Land und Leute Der gute Tod - Aus bayerischen Sterbebüchern

Sonntag, 01.11.2020
15:05 bis 16:00 Uhr

BR Heimat

Der gute Tod
Aus bayerischen Sterbebüchern
Von Carola Zinner

Wiederholung von 13.05 Uhr, Bayern 2
Als Podcast verfügbar

"Theresia Gschwandler half kranken Armen beiderlei Geschlechts ohne Bezahlung. Doch blieb sie nicht verschont von Neidern, die sie sogar der Hexerei beschuldigten ..."

Einige Texte im Sterbebuch der Pfarrei Egern gehen weit über die Länge der normalen Einträge hinaus, mit denen der Pfarrer den Tod eines Gemeindemitglieds dokumentierte. Ab 1740 verfassten die Benediktinerpater aus dem Kloster Tegernsee, die damals für die Seelsorge in Egern zuständig waren, über rund 40 Jahre hinweg regelrechte kleine Nachrufe auf die Verstorbenen.

Auf den Bettler etwa, den man anhand seiner Uniform als ehemaligen Soldaten erkannte - von dem aber ansonsten nicht viel mehr bekannt war als der Vorname, Franziskus, und sein frommes Wesen. Auf den braven 70jährigen Klosterjäger, der bei der Jagd abgestürzt war. Und ein Nachruf beschreibt eine keusche Jungfrau, der trotz ihrer Frömmigkeit ein Dämon die Sinne verwirrte. Doch auch sie, die so oft Kirche besuchte, beichtete und zum Abendmahl ging, starb am Ende eines guten Todes.

Heute würde man so wohl eher ein schnelles Ableben bezeichnen, von dem der Betroffene nicht viel mitbekommt. Damals aber war der "gute Tod" jener, bei dem die Verstorbenen noch alle dafür vorgesehen kirchlichen Segnungen und die "heilige Wegzehrung" empfangen konnten.

Die historischen Texte, in der Sendung gelesen von Udo Wachtveitl, geben davon ebenso ein authentisches Bild wie von der damaligen Epoche, einer Zeit, in der das Sterben permanent im Alltag präsent war.