BR Heimat

Bayerisches Feuilleton Schneider und Schneiderin

Herrenausstatter, Masszuschnitt, Herrenschneider, München | Bild: picture-alliance/dpa/Winfried Rothermel

Samstag, 01.12.2018
08:05 bis 09:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BR Heimat

Bayerische Berufungen und Instanzen
Schneider und Schneiderin
Von Justina Schreiber

Wiederholung am Sonntag, 20.05 Uhr, Bayern 2
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Im historischen Abzählvers "Kaiser, König, Edelmann" rangiert der Schneider recht weit hinten zwischen Schuster und Leineweber. Aber auch wenn er den Lebensunterhalt für sich und die Seinen mühsam zusammennähte, war er doch ein wichtiger Mann im Dorf. Bis die Konfektionsware Einzug hielt, musste sich ja jeder mindestens einmal im Leben von ihm Maß nehmen lassen.

Beim Schneider liefen alle Fäden zusammen: Tratsch und Klatsch, Politisches und Privates kamen hier auf den Tisch, während er einen Schnitt entwarf, der die körperlichen Vorzüge des Auftraggebers betonte und - soweit möglich - auch der neuesten Mode Rechnung trug. Nicht ohne Grund galt der Herrenschneider lange als gesellschaftliche Schlüsselperson, weil er den jungen Männern zu Ansehen verhalf - und zwar mit Hilfe von Schulterpolstern und einem schnittigen Revers.

Noch heute stehen deshalb Damenschneiderinnen im Schatten der Herren-Kleidermacher, die mittlerweile allerdings auch weiblichen Geschlechts sein können. Das kreative Geschäft erledigen in unseren Tagen Designer und Kostümbildner. Aber dass in textilen Stoffen das Potential für den ganz großen Auftritt schlummert, bringt noch immer der gute Handwerker am besten zu Geltung. Schneider machen Leute.

Ein Bilder- und Schnittmusterbogen über Geschichte und Gegenwart eines Berufes in seiner spezifisch bayerischen Fasson.

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

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