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Bayern - Land und Leute Der Komponist Sergej Prokofjew in Ettal

Der Komponist Sergei Prokofjew (1891-1953) dirigiert | Bild: Fine Art Images/Süddeutsche Zeitung Photo

Montag, 02.04.2018
15:05 bis 16:00 Uhr

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"Wo die Glocken meine Füße lockten …"
Der Komponist Sergej Prokofjew in Ettal
Von Justina Schreiber

Wiederholung von 13.05 Uhr, Bayern 2
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

In Paris und New York feierte der russische Komponist große Erfolge. Aber Sergej Prokofjew fühlte sich bald "all der Aufregung" überdrüssig. Er suchte einen stillen und billigen Rückzugort. Und fand ihn im oberbayerischen Ettal am Fuß der Ammergauer Alpen.

Anfang März 1922 bezog der 30-jährige Künstler mit seiner Mutter die "Villa Christophorus" in der Werdenfelserstraße 6. Dass das Enfant terrible der modernen Musik in dem abgeschiedenen Klosterdorf mit der "Fünften Klaviersonate C-Dur" ein geradezu pastoral klingendes Werk verfasste, verwundert nicht. Allerdings arbeitete er hier auch an der bizarren Oper "Der feurige Engel", die in einem satanistischen Exzess unter Nonnen gipfelt.

Wollte der Komponist, der gerne in der Gegend herumwanderte, ein teuflisches Gegenstück zu den Passionspielen im nahen Oberammergau schaffen? Die junge Sängerin Carolina Codina jedenfalls, die ihn regelmäßig in Ettal besuchte, trug eher zur bürgerlichen Konsolidierung bei. Kurz bevor Prokofjew im Dezember 1923 den Ort für immer verließ, heiratete er die von ihm schwangere Geliebte.