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Zweisame Spitze Herbert & Schnipsi

Wenn zwei so gegensätzliche Charaktere aufeinander prallen wie bei dem Künstlerpaar Herbert und Schnipsi, dann sind Konflikte vorprogrammiert. Sie, ein kleiner Wirbelwind, mit beiden Beinen auf der Erde, handfest, die sagt, wo es lang geht, er, umständlich, unbeholfen, mit dem Charme eines Verlierers. Mit dieser Konstellation ernten Claudia Schlenger und Hanns Meilhamer seit Jahrzehnten Lachsalven. "Szenen einer Ehe" auf bayerisch, mit all dem Wahnsinn und den Mißverständnissen des Zusammenlebens.

Von: Eva Demmelhuber

Stand: 21.11.2020 | Archiv

"Zwei wie Pech und Schwefel" - Claudia Schlenger und Hanns Meilhamer

Männer und Frauen passen nicht zusammen

Männer und Frauen passen nicht zusammen, das ist so "wie wenn man ein Schaf mit einer Wuidsau" kreuzt, wirft die Schnipsi ihrem Herbert in einer Szene an den Kopf. Es ist herrlich, wie die beiden auf der Bühne das aussprechen, was sich viele im Publikum denken. Wie sie sich darüber streiten, wer der größere Depp in der Familie ist, oder Herbert, der soeben einen Partnerschaftstest gemacht hat, und mit nur drei Punkten in die Kategorie der Langweiler fällt, sich vornimmt, von den drei Punkten heute keinen einzigen auszulassen. Oder eine andere Szenerie: Schnipsi liest die Sterbeanzeigen und findet eine von ihrem Herbert, anscheinend ein Druckfehler in der Zeitung. Wie sie ihn gängelt, bei allen anzurufen, um mitzuteilen, dass er noch lebt, wird zu einem fast surrealen Verwirrspiel voller Peinlichkeiten.

Zwei unvergleichliche Musikanten

Herzerfrischend ist ihre Spielfreude, ihre Musikalität, radikal virtuos. Lebensfreude und Melancholie in einem. Hintergründig und poetisch, wenn etwa Herr Meier nackert im Schnee tanzt und am Schluss mit dem ganzen Planeten durchs Weltall rauscht. Oder wenn im „Café Sophia“ die „Zeit vertröpfelt“ und auf einem Ventilator „a Fliang“ Karussell fährt. Oder vor dem „Gänseblum“ eine „tot gestochne Sense“ herum liegt.

Herbert & Schnipsi bei einem Bühnenauftritt (2016)

Die Leute zum Lachen zu bringen, sie gut zu unterhalten, ist dem Künstlerpaar das Wichtigste. Denn Lachen befreit, schüttet Endorphine aus, baut Stresshormone ab und löst nicht selten auch Konflikte. Das wissen Claudia Schlenger und Hanns Meilhamer aus eigener Erfahrung.

Hineingeboren in die Nachkriegszeit, mit Eltern, die sich oft tagelang "anmuffelten", und die aus dieser Sprachlosigkeit, dieser bedrückenden Stimmung oft erst durch eine gute Unterhaltungssendung wieder herauskamen.

Herbert & Schnipsi im TV

Dass es beide auch privat so lange miteinander ausgehalten haben, mag an den Gegensätzen liegen, die bekanntlich anziehen. Claudia Schlenger stammt aus dem oberbayerisch herausgeputzten Bad Tölz, mondän und von Geschäftsleuten geprägt. Enge und Konventionen, die sie schon als Kind zu spüren bekam und eigentlich nur weg wollte. Hanns Meilhamer aus dem niederbayerisch kargen Pocking, bäuerlich geprägt, wo sich in der Nachkriegszeit viele Flüchtlinge ansiedelten. Er bastelte sich seine eigene Welt, schrieb Gedichte, baute sich selber Instrumente, hörte gerne seinem Vater zu, wenn der von seiner Zeit in Amerika erzählte. Von ihm lernte er die ganzen Country-Songs kennen, die Hanns ein Leben lang begeleiten sollten. Ein Träumer und eine Macherin, er, ein in sich gekehrter Mensch, sie extrovertiert oder wie Gerhard Polt das ungleiche Paar beschreibt: "Sie passen so perfekt nicht zusammen, dass jede Dissonanz ihre Harmonie unterstreicht und einem selten so klar wird, wie eine Symphonie aus einem Diskord entsteht."

Herbert und Schnipsi in ihrem Element

Claudia Schlenger wollte immer schon Schauspielerin werden, doch das kam von Elternseite her nicht in Frage. Etwas Handfestes sollte es sein, etwas Sicheres, und weil es kranke Leute immer gibt, lernte sie medizinisch-technische Assistentin. Das war überhaupt nicht das ihre, sie brach aus nach Berlin, machte das Abitur nach und besuchte verschiedene Schauspielschulen. Hanns Meilhamer, der sich neben seinem Kunststudium längst auf Münchner Kleinkunstbühnen herumtrieb, mit seinen skurrilen Gedichten und Liedern, mit großem Erfolg, aber mit wenig Publikum, folgte ihr. Sie hatten sich in der Münchner Kleinkunstszene kennen gelernt. 1983 probierten es beide zum ersten Mal zusammen auf der Bühne. "Muatter, i bin a Kuckuck" hieß das erste Programm. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Funk und Fernsehen wurden auf die beiden Künstler aufmerksam, sie wurden ausgezeichnet mit Preisen, unter der Patenschaft von Gerhard Polt etwa mit dem Salzburger Stier, dem Ernst-Hofrichter-Preis oder dem Bayerische Kabarettpreis. Und heute, nach fast 40 Jahren, haben die beiden noch immer die gleiche Spielfreude und begeistern ihr Publikum.


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