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Die verschmähte Braut Ludwig II. und Sophie in Bayern

Der junge König und die schöne Herzogin: ein Traumpaar. Und es sollte die Traumhochzeit des Jahrhunderts werden. Doch der Bräutigam macht einen Rückzieher. Danach geht es für beide bergab. Kein Happy End, nirgends. Thomas Kernert schildert das herzzerreißendste Kapitel aus der Geschichte der bayerischen „Royals“.

Von: Thomas Kernert

Stand: 12.09.2020 | Archiv

Die Wiesn fiel in ihrer 210-jährigen Geschichte, einschließlich heuer, bereits 25-mal aus. Das ist ein trauriges und peinliches Jubiläum! Noch viel trauriger und peinlicher freilich sind Hochzeiten, die nach hochoffiziellen Verlobungen kurz vor Schluss abgesagt werden.

Eine Verlobung, die zum Scheitern verurteilt war

Das offizielle Verlobungsfoto von Sophie und Ludwig II.

Zu den peinlichsten Affronts dieser Art gehörte sicherlich die Absage unseres Märchenkönigs Ludwig an seine Verlobte Sophie in Bayern im Jahre 1867: „Und nun lebe wohl ...“, hatte der Jungmonarch in einem Brief an seine Dauerverlobte wie ein Pennäler herumgedruckst.

Sophie soll schon vor Ludwigs Zurückweisung den ersten Schritt getan und angeboten haben, dem König sein Wort zurückzugeben. Letzterer zog sich daraufhin so weit wie möglich in den Voralpenraum zurück, nämlich nach Hohenschwangau, wo er in Erfüllung seiner „heiligen Pflicht“ den längsten und letzten Brief an Sophie zu Papier brachte. U.a. hieß es darin:

Ludwig II. König von Bayern

"Stets warst Du mir von Herzen werth und theuer, ich hänge an Dir mit inniger und wahrer und aufrichtiger Zuneigung, ich liebe Dich wie eine theure Schwester ... Wenn ich nun alle Vorbereitungen zur Hochzeit treffen ließ, mit Dir darüber sprach und schrieb, sie hinausschob, sie doch nicht aufgeben wollte, so geschah dies durchaus nicht, um Dich anzuführen ... O nein, hintergehen wollte ich Dich nicht, ich handelte im festen Glauben, es würde alles zu einem befriedigenden Ende führen. Ich hatte nun Zeit, mich zu prüfen, mit mir zu Rathe zu gehen, und sehe, daß nach wie vor meine treue, innige Bruderliebe zu Dir tief in meiner Seele wurzelt, nicht aber die Liebe, die zur Vereinigung in der Ehe erforderlich ist."

(Ludwig II.)

Der Skandal war perfekt

Die Nachricht von der „bayerischen Entlobung“ war eine der Top-Meldungen des Jahres 1867 und hätte es weltweit in jeden Silvesterjahresrückblick geschafft.

Als Sophies Schwester war Kaiserin Sisi "not amused" von deren Zurückweisung durch Ludwig II.

„Selten hat irgendein Ereignis in meiner Erinnerung einen größeren und bedauerlicheren öffentlichen Skandal bewirkt!“ ... meldete der englische Gesandte nach London.

Sisi, die österreichische Kaiserin, schimpfte wie ein Rohrspatz: „Es gibt keinen Ausdruck für ein solches Benehmen!“

Und Zarin Maria Alexandrowna von Russland schwadronierte: „A propos von Hochzeit fällt mir der König von Bayern ein, den gebe ich auf, er muss wahrhaftig nicht ganz bei Sinnen sein!“

Die Sympathien der Bevölkerung erntete natürlich Sophie, der einzige jedoch, der am Ende jubelte, war Ludwig. Ein Brief, eine Absage und alles war vorbei.

An Richard Wagner schrieb er: „Oh, nun ist alles wieder gut! wie erstanden, genesen nach lebensgefährlicher Krankheit fühle ich mich ... Der Trauerflor, der über mir hing während der letzten Zeit, ist zerrissen und ... der Schmerz ist aus, die Bande weichen. - Doch nun fort mit diesem Thema!“

Was macht man mit Zurückweisungen dieser Art?

Was macht man mit ihnen heute und was machte die arme Sophie damals? Und was hatte zwischen den beiden Verlobten letztendlich zum Zerwürfnis geführt?

Thomas Kernert fühlt sich ein und leiht der „anmutig-schlanken“ Sissi-Schwester sein frisch gebügeltes und vorschriftsmäßig desinfiziertes Taschentuch.


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