BR Heimat


9

Sport und Spiritualität Neuer Radweg verbindet Simultankirchen

Evangelische und katholische Christen hatten nicht immer ein gutes Verhältnis zueinander. In der nördlichen Oberpfalz mussten sie ab dem 17. Jahrhundert ihre Kirchen gemeinsam - simultan - nutzen. Ein Radweg verbindet diese Gotteshäuser in der mittleren und nördlichen Oberpfalz.

Von: Verena Hampl

Stand: 08.05.2015 | Archiv

Simultankirchenradweg | Bild: Stefan Gruber / BR

Das Verhältnis von evangelischen und katholischen Christen war nicht immer gut. Im 17. Jahrhundert mussten sie sich aber zusammenraufen - zumindest in der nördlichen Oberpfalz. Pfalzgraf Christian August von Sulzbach ordnete damals an, dass die Kirchen in seinem Herzogtum von beiden Konfessionen - simultan - genutzt werden. Seitdem ranken sich viele Geschichten um die sogenannten Simultankirchen.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bei Eröffnung

Eröffnungsgast Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat Spaß beim Radeln.

Der evangelische Pfarrer Hans-Peter Paukstadt-Künkler aus Rothenstadt bei Weiden, der Vorsitzende des Fördervereins Simultankirchen in der Oberpfalz e. V., hatte vor fünf Jahren die Idee, die Gotteshäuser miteinander zu verbinden: über einen Radweg für Sportler, Kulturbegeisterte und Kirchenfreunde. Der Radweg sei - wenn man so will - eine neue Form der Ökumene, so Pauckstadt-Künkler zum BR. Entlang der Radstrecke seien nicht nur die großen, bekannten Kirchen zu sehen. Gerade die kleinen Ortskirchen wie in Etzenricht, Neunkirchen oder Thansüß seien eine Radltour wert. Bei der Eröffnung am Freitag (08.05.15) in Sulzbach-Rosenberg radelte auch der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ein Wegstück und lobte das Projekt als weiteren Schritt in Richtung Ökumene.

"Ich bin sowieso bei jeder Gelegenheit mit dem Fahrrad unterwegs. Deswegen habe ich mich richtig drauf gefreut, dass ich heute ganz offiziell Fahrrad fahren darf."

Heinrich Bedford-Strohm, evangelischer Landesbischof

Die Initiatoren sprechen von einem ökumenischen Projekt mit Sport und Spiritualität. Unter dem Motto "Erleben. Erfahren. Entdecken. Wie Kirche bewegt!" können kulturell interessierte Radlfreunde auf Entdeckungstour durch die Oberpfalz gehen. Das Radwegenetz umfasst insgesamt zehn Schleifen durch die Landkreise Amberg-Sulzbach, Neustadt an der Waldnaab und Tirschenreuth.

Eindrücke einer Tour auf dem neuen Radweg

Die Routen im Überblick

Die erste Station der Tour entlang des Simultankirchenradwegs ist die evangelische St. Michaelskirche mit ihrem barocken Zwiebelturm im Herzen der Weidener Altstadt. Die Teilnehmer der Radrunde werden in der Kirche von Christian Stahl, dem Türmer und damit auch Musikus der Stadt, empfangen. Er erzählt vom Simultaneum in Weiden: "Das Besondere an St. Michael ist der sogenannte simultane Hochaltar. Hier ist die Zweireligiösität zu sehen. Man sieht zwei Bilder, zwei große Figuren, zweierlei Formen des Abendmahls."

Auf dem Simultankirchenradweg geht's weiter zur nächsten Kirche. Zwischen den Gotteshäusern gibt es verschiedene Routen, die man beliebig kombinieren kann - je nachdem, wie fit man ist. "In Rothenstadt treffen sich zum Beispiel zwei der Routen, da kann man selbst entscheiden, wie es weitergeht", erklärt Hans-Peter Paukstadt-Künkler, Initiator des Simultankirchenradwegs.

Insgesamt gibt es zehn verschiedene Routen, die die 49 Simultankirchen miteinander verbinden. Mal ist die Strecke flach, entlang eines Flutkanals. Zum Teil sind es kleine Teerstraßen, manchmal führt der Weg durch den Wald. Es ist also für jeden was dabei.

Viele Geschichten auf dem Weg

St. Bartholomäus liegt etwas versteckt zwischen Bauernhöfen und einer kleinen Gaststube. Der Weidener Dekan Wenrich Slenczka ist bei der Erkundungstour dabei. Er schaut sich die Kirche genauer an.

"Es gefällt mir sehr gut, wie das kleine Kirchenschiff an diesem kräftigen Turm dranhängt. Man sieht sie vom Ort aus gar nicht, aber wenn man mit dem Fahrrad herfährt, vom Flutkanal her, dann sieht man sie ganz schön und es ist ein idyllisches Plätzchen und eine wunderschöne Kirche."

Wenrich Slenczka, Weidener Dekan

St. Nikolaus in Etzenricht

Etwas anstrengender ist der Weg nach Etzenricht zur St. Nikolaus-Kirche - es geht steil nach oben. In der Kirche werden die Radler von Mesner Dieter Wirbs empfangen. Er hat viele Geschichten über die kleine Kirche auf Lager: "Auf dem großen Bild vorne am Altar soll ein Etzenrichter verewigt worden sein. Und zwar der am rechten Fuß von Jesus, der mit dem weißen Haar soll ein Etzenrichter sein. Außerdem ist die kleine Kirche mit der Holzdecke und den kleinen Säulen unter der Empore vor allem bei Brautpaaren sehr beliebt."

Info

Neun der 49 Kirchen auf dem Radweg werden auch heute noch simultan genutzt. Ein "Roadbook" mit allen Strecken und Details zu den Kirchen gibt es unter simultankirchenradweg.de.


9