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"Oper für alle!?" 200 Jahre Nationaltheater, 100 Jahre Bayerische Staatsoper

Eine Oper von Weltgeltung, ein Haus mit Geschichte und ein Doppeljubiläum: Am 12. Oktober 1818 wurde in München das "Königliche Hof- und Nationaltheater" eröffnet, im November 1918 ging es als "Bayerische Staatsoper" in den Besitz des Freistaates Bayern über. Heute lautet das programmatische Motto der traditionsreichen Institution: "Oper für alle".

Von: Sven Ricklefs

Stand: 13.10.2018 | Archiv

Unter dem Motto "Oper für alle" lädt die Bayerische Staatsoper alljährlich während der Festspielzeit zu Liveübertragungen auf den Max-Joseph-Platz vor dem Münchner Nationaltheater.

Als ein "Opernhaus für alle" wollte Bayerns erster König Maximilian I. Joseph das von ihm in Auftrag gegebene und am 12. Oktober 1818 eröffnete Königliche Hof- und Nationaltheater auch verstanden wissen. Dabei geriet dem als bescheiden geltenden Monarchen das neue Theater ausgesprochen prunkvoll, sogar monumental. Noch heute gilt es als größtes Opernhaus Deutschlands und als eines der schönsten weltweit.

Der Bariton Christian Gerhaher (2013)

"Die Bayerische Staatsoper ist ja zurzeit in einer Verfassung, die außer Konkurrenz ist, international. Ich würde kein Opernhaus wissen, international, das eine ähnliche Leistungskraft und Qualität hat wie die Bayerische Staatsoper.

Man muss diese Vergleiche ja nicht unbedingt anstellen, aber wenn schon Anniversarium, dann kann man sagen, die Münchner Oper ist in einer phantastischen und vergleichsarmen Situation."

(Christian Gerhaher, Bariton)

Nikolaus Bachler

"Das finde ich eigentlich das Spannende an so einem Jubiläum, dass man sich die Frage stellt, wer man ist. Und was das bedeutet. Was bedeutet Deutsch-sein und was bedeutet in einer Nation zu sein. Und wenn wir uns heute anschauen, das ist ja geradezu ein brennendes Thema, wie man jetzt umgeht mit der eigenen Identität.

Und dann kommen so Begriffe, die Unbegriffe sind, wie 'Leitkultur' und all das zustande. Daher glaube ich, dass ein Nationaltheater aus dem 19. Jahrhundert ein sehr wichtiger Begriff ist, weil: das Nationaltheater hat nichts anderes gemacht, als sämtliche Nationen zu vereinen und nicht zu trennen."

(Nikolaus Bachler, Intendant der Bayerischen Staatsoper)

Ein Kreativlabor der Opernkunst

Abendliche Auffahrt vor dem Hoftheater Muenchen (Holzstich koloriert, 1889)

Mit der Ausrufung des Freistaates 1918 wurde aus dem Hoftheater eine Kultureinrichtung der jungen Republik. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, aber aus Ruinen wiederauferstanden, ist das Haus heute ein Kreativlabor der Opernkunst. Während auf der Bühne und im Orchestergraben Weltstars von Rang das Publikum begeistern, gilt ein besonderes Augenmerk der hohen Qualität der Inszenierungen. Im Rahmen der "International Opera Awards 2018" wurde die Bayerische Staatsoper für ihren künstlerischen Mut zum "Opernhaus des Jahres" gekürt und feiert im Herbst 2018 ihr Doppeljubiläum unter der Überschrift "Geliebt, gehasst und Punkt, Punkt, Punkt".

Geschichte und Gegenwart des Münchner Nationaltheaters

Aufruf der "Freunde des Nationaltheaters" zum Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Gebäudes in den 50er Jahren

Dieser Ambivalenz geht auch die Sendung "Oper für alle!?" nach - ein Streifzug durch Geschichte und Gegenwart des Münchner Nationaltheaters. Zu Wort kommen Sänger, Opernfans, der Intendant, Theaterwissenschaftler und Politiker.

Und wenn Feuersbrünste und Bombenhagel ebenso eine Rolle spielen wie Bürgersinn und Wiederaufbau, wenn ein einsamer Ludwig II. in seiner Königsloge ebenso in den Blick rückt wie ein ehemaliger Postkartenmaler namens Adolf Hitler (mit dem Nationaltheater als Lieblingsmotiv), dann spiegelt sich in der zweihundertjährigen Geschichte dieses Hauses und in einhundert Jahren Staatsoper zugleich die Geschichte Bayerns und der ganzen Nation.

Buchtipp:

Wie man wird, was man ist: Die Bayerische Staatsoper vor und nach 1945

  • Autor: Jürgen Schläder
  • Gebundene Ausgabe: 456 Seiten
  • Verlag: Henschel; Auflage: 1 (17. November 2017)
  • ISBN-10: 9783894877965
  • ISBN-13: 978-3894877965
  • ASIN: 3894877960


Vision und Tradition
200 Jahre Nationaltheater in München: Eine Szenographiegeschichte

  • Autor: Jürgen Schläder
  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: Henschel; Auflage: 1 (12. Oktober 2018)
  • ISBN-10: 3894878029
  • ISBN-13: 978-3894878023

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